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Ringvorlesung Technik- und Umweltethik

Nicht verkaufen, nur spenden

Organe können Leben retten, aber es gibt nicht ausreichend Spender. Der Handel ist weltweit verboten, aber illegal findet er dennoch statt. Wie das Verbot ethisch begründet wird und wieso Organspenden erlaubt sind, darüber sprach Professor Bert Heinrichs in seinem Vortrag “Menschliche Organe – von unbezahlbarem Wert?” //von Jan-Philipp Forche

Ein Spenderorgan ist für viele todkranke Menschen die letzte Hoffnung, führte Heinrichs in das Thema ein. Trotzdem gäbe es kaum Spender. Auf seine Frage an die Studierenden, wer einen Organspendeausweis habe, zeigten nur wenige auf. An dieser Haltung seien nicht nur Transplantations-Skandale schuld, sondern oft eine gefühlsmäßige Ablehnung. Dem Ursprung solcher Gefühle und anderen Fragen aus der Biologie und Medizin geht der Philosoph Heinrichs am Institut für Ethik in den Neurowissenschaften am Forschungszentrum Jülich nach.

Organhandel öffnet der Ausbeutung Tür und Tor

Heinrich ist der Meinung, dass sich jeder Mensch mit der Frage, Organspender zu werden, auseinandersetzen sollte. Die Entscheidung könne jeder nur für sich selber treffen. Der Handel mit Organen sei zwar weltweit durch Abkommen verboten, floriere aber trotzdem. Viele Menschen seien aus Not bereit, ihre Organe zu verkaufen. Reiche Patienten umgingen die vollen Wartelisten und kauften Organe von jungen, verzweifelten Menschen. "Das ist Ausbeutung", stellte Heinrichs klar.

Ringvorlesung mit Bert Heinrichs from technikjournal.de on Vimeo.

Interview mit Dr. Bert Heinrichs

Gehört dem Menschen sein Körper?

Beim Versuch, den freiwilligen, zwanglosen Verkauf von Organen zu bewerten, fragte Heinrichs die Studierenden, ob der Körper Eiegentum des Menschen sei. Schnell zeigte sich, wie schwierig die Beantwortung dieser Frage ist. Der Philosoph spann den Faden weiter: "Wenn der Mensch Eigentümer ist, wieso sollte er dann nicht Teile von ihm verkaufen? Wenn er nicht Eigentümer ist, wieso kann er dann Organe spenden?"

Publikumsmeinungen nach Prof. Heinrichs Vortrag

Rebekka Vitz 11.06.2015

Philosophen geben unterschiedliche Antworten

 

Mit diesen Fragen haben sich Philosphen bereits vor Jahrtausenden beschäftigt. So war Platon der Überzeugung, dass der Körper ein göttliches Geschenk sei und deshalb nicht verändert werden dürfe. Diese Position schließt eindeutig den Verkauf von Organen aus. Konträr sei die These von John Locke. Wenn man Lockes Ideen zu Ende dächte, dürfe man Organe verkaufen oder pfänden lassen. Die Position Georg Hegels liege dazwischen: "Man kann sich nur selber in ein Gegenstandsverhältnis zum eigenen Körper setzen. Für Dritte sind Person und Körper identisch", erklärte Heinrichs. Das bedeute, dass man nur selbst entscheiden könne, ob man sich von einem Organ trennt, die Möglichkeit dazu besteht aber.

Was Geld kostet, wird trivialisiert

Um zu begründen, wieso dennoch kein Organhandel erlaubt sein solle, berief sich Heinrichs auf Georg Simmel. Dieser stellte fest, dass Geld alle Dinge vergleichbar macht, weil es als universelles Tauschmittel fungiert. Manche Dinge seien aber eben nicht vergleichbar und demnach könne ihnen auch kein Preis zugeordnet werden. Heinrichs ist der Meinung, dass das auch für menschliche Organe gilt. Deshalb sei eine Spende möglich, ein Kauf aber nicht. Bei der Frage, ob man Anreize für eine Spende setzen solle, legte er sich nicht fest: "Unentschieden. Könnte sein."

Jan-Philipp Forche // Portrait: Jule Freda Wagner // Bilder: Leo-Alexander Kölzer // Links: Phetchinda Khamsitthy

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