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Technik- und Umweltethik

Naturschutz ist nicht technikfeindlich

Eine nachhaltige Entwicklung ist ohne Naturschutz nicht möglich, ist Frau Dr. Christiane Schell vom Bundesamt für Naturschutz BfN überzeugt. In ihrem Vortrag ging sie auf den Naturschutz in Deutschland und seine Rolle zur Erreichung globaler Nachhaltigkeitsziele ein. Dabei widersprach sie dem Vorurteil, dass Naturschutz technikfeindlich sei. // Von Sezen Yildirim

Was ist Naturschutz? Für Dr. Christiane Schell, Leiterin der Abteilung "Grundsatzangelegenheiten des Naturschutzes" im BfN, ist der Naturschutz eine gesellschaftliche Vereinbarung. "Naturschutz dient uns Menschen" sagte sie. Deshalb müsse der Mensch auch die Natur bewahren.

Intensive Landnutzung gefährdet die Natur

Die Natur wird auf vielerlei Weise bedroht: durch die intensive Nutzung der Landflächen und der Meere, durch den Klimawandel und durch die Zerstörung von Lebensräumen. Eine ökologische Wirtschaftsweise sei notwendig, unterstrich Christiane Schell. Der Technik steht sie positiv gegenüber: "Naturschutz ist nicht technikfeindlich. Technik kann dem Naturschutz helfen!" Kurz ging Christiane Schell auf die Windkraft ein: Vor dem Hintergrund des Klimawandels sei diese Form der Energiegewinnung positiv zu bewerten, aber dennoch berge sie auch Gefahren für Tiere. Hier schlug die Expertin eine technische Lösung vor: "Windräder könnten automatisch abgeschaltet werden, wenn Gefahr für Fledermäuse oder Vögel besteht."

Erfolge des Naturschutzes in Deutschland

Christiane Schell ist überzeugt, dass Naturschutz ohne Akzeptanz in der Gesellschaft nicht möglich ist. Hier sei die Politik gefragt. Das BfN, das dem Bundesumweltministerium BMUB unterstellt ist, wirbt deshalb aktiv in der Gesellschaft für den Naturschutz. In Deutschland seien durchaus Erfolge zu verzeichnen: So würden sich zum Beispiel der Wolf und die Wildkatze immer mehr ausbreiten. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland würde die Ausbreitung dieser Tiere begrüßen. Trotz dieser lokalen Erfolge gebe es jedoch weltweit einen dramatischen Verlust an Biodiversität.

Unterstützung für globale Konzepte

Die neu formulierten Nachhaltigkeitsziele sind nach Einschätzung von Christiane Schell der richtige Ansatz, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Sie bezeichnete die Ziele als "umfassend für Gesellschaft und Umwelt" und als "gültig für alle". Die deutsche Naturschutzpolitik habe mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie und der Naturschutz-Offensive 2020 einen Beitrag geleistet, der auch über die Grenzen hinweg hilfreich wäre. In der Naturschutzoffensive 2020 würden beispielsweise mehr Anstrengungen für den weltweiten Schutz der Biodiversität gefordert. Auch das verantwortliche Verhalten der Konsumenten wird in der Naturschutzoffensive thematisiert. Mit Argumenten beendete Christiane Schell ihren Vortrag: Wer sich für den Naturschutz einsetze, handele klug, weil Natur die Grundlage allen Lebens sei. Naturschutz mache zudem glücklich, weil die intakte Natur wichtig für das Wohlbefinden sei. Naturschutz sei auch gerecht, weil die natürlichen Ressourcen auch kommenden Generationen zur Verfügung stehen sollten.

Audiofeedback der Ringvorlesung

Von Jana Kikillus, 12.05.2016

Porträt: Fabian Haase // Linkliste: Jana Kikillus // Fotos: Maurice Kaden // Video: Christopher Hostert und Dennis Kistner

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Naturschutz als Berufung

Wenn Dr. Christiane Schell über die Natur spricht, ist ihre Berufung unverkennbar. Ein Biolo-gie-Studium mit dem Schwerpunkt Ökologie an der Universität Bonn gab ihr die Richtung vor: "Damals hat mich die Natur zum ersten Mal richtig berührt und nie wieder losgelassen." Seit ihrem Studium setzt sie sich für den Naturschutz ein, seit Jahren im Bundesamt für Naturschutz BfN. Dort leitet sie aktuell die Abteilung für Grundsatzangelegenheiten des Naturschutzes. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Umweltethik, Naturbildung für eine nachhaltige Entwicklung und insbesondere das Naturbewusstsein der Bevölkerung. Mit Aussagen wie "Wir alle sind ein Teil der Natur – nur leider verstehen wir das nicht immer", stimmte sie ihre Zuhörerschaft in der Ringvorlesung nachdenklich. // Von Fabian Haase