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Ringvorlesung Technik- und Umweltethik

Technik kann den Klimawandel nicht aufhalten

Der Weltklimarat warnt: Nur wenn die Menschheit schnell handelt, kann sie den Klimawandel bremsen. Doch welche Maßnahmen sind geeignet? Der Experimentalphysiker David Offenberg stellte im Rahmen der Ringvorlesung Technologien des Climate Engineerings vor und zog ein eindeutiges Fazit. // Von Sebastian Henkes

06.06.2014 // Den sogenannten Klimaleugnern erteilte David Offenberg eine klare Absage: Die meisten Wissenschaftler gingen mittlerweile von einem beschleunigten Klimawandel aus. Der Mensch spiele dabei eine Rolle, weil die Verbrennung fossiler Energieträger das Treibhausgas Kohlendioxyd CO2 freisetze. "Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre war das letzte Mal vor 15 Millionen Jahren so hoch wie heute. Wir befinden uns auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft", sagte der Wissenschaftler.

Globale gesellschaftliche Lösungen könnten helfen

Offenberg, der am Fraunhofer Institut für Naturwissenschaftliche und Technische Trendanalysen INT in Euskirchen forscht, geht davon aus, dass der Klimawandel nicht mehr zu stoppen sei. Selbst wenn keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangten, würde der Klimawandel trotzdem fortschreiten. Das Ziel aller Klimaschutzmaßnahmen, die globale Erwärmung auf zwei Grad über dem aktuellen Wert zu begrenzen, ist laut Offenberg nicht mehr zu erreichen. Dazu sei eine globale Zusammenarbeit notwendig: "Ich halte es für nicht vorstellbar, dass sich die Staaten der Erde einig werden." Das Problem sei kein technisches, sondern ein gesellschaftliches: Aufsteigende Industrienationen wie Indien oder China sind aufgrund ihres schnellen wirtschaftlichen Wachstums in den letzten Jahren verstärkt am globalen Treibhausgasausstoß beteiligt.

 

Dr. Offenberg über Climate Engineering


Finger weg vom Climate Engineering!

Kann Technik helfen, den Klimawandel zu bremsen? Offenberg ließ keinen Zweifel daran, dass er großtechnische Eingriffe in die Umwelt, das sogenannten Climate- oder Geo-Engineering, kategorisch ablehnt. "Die Nebenwirkungen sind nicht absehbar", sagte er. Mit Climate Engineering sind Maßnahmen gemeint, die den Temperaturanstieg der Atmosphäre stoppen, ohne dass die Menschheit dabei ihre momentane Lebensweise umstellen müsste. Hier unterschied Offenberg zwischen zwei Ansätzen:

  • dem Carbon Dioxide Reduction (CDR), bei dem Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen wird,
  • und dem Radiation Management (RM), bei dem die Sonneneinstrahlung reduziert wird.

 

Algendüngung zur Bindung von CO2

Beispiele für CDR-Methoden sind "künstliche Bäume", die Treibhausgase aufnehmen und bin-den. Als eine technisch bereits durchführbare Maßnahme bezeichnete Offenberg die sogenannte Meeresdüngung: Hier wird die Verbreitung von Mikroalgen in den Ozeanen beschleunigt, die schon jetzt für rund die Hälfte der globalen Photosynthese ursächlich sind. Das Verfahren sei jedoch weniger effektiv als bisher angenommen und unerwünschte Effekte auf die Wasserqualität und die Tierwelt könnten nicht ausgeschlossen werden.

 

Audioslideshow: Climate Engineering

 

Vulkanausbrüche als natürliches Vorbild

RM-Methoden zielen darauf ab, mehr Sonnenstrahlen in den Weltraum zu reflektieren und auf diese Weise den Anteil der Einstrahlung zu reduzieren. Diese Maßnahmen sind jedoch entweder zu teuer (Installation von Spiegeln im Weltall) oder die Auswirkungen auf die Natur nicht berechenbar (künstliche Wolkenbildung). Als einzig denkbare RM-Maßnahme nannte Offenberg die sogenannten Stratosphärischen Aerosole. Nach dem natürlichen Vorbild von Vulkanausbrüchen würde dabei Schwefeloxid in die Stratosphäre eingebracht, das einen Teil der einfallenden Sonnenstrahlen zurück ins All reflektiert. Die Nachteile wären allerdings negative Effekte auf das Pflanzenwachstum und weniger direktes Sonnenlicht für Solar-Anlagen.

Nur ein Umdenken kann helfen

Offenberg stellte heraus, dass keine Maßnahme den Klimawandel rückgängig machen könne. Climate Engineering würde für ein vollkommen anderes Klima sorgen. Die einzige sinnvolle Maßnahme sei es, die CO2-Emmissionen aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern drastisch zu reduzieren. Auf der letzten Folie seines Vortrags stand der dringliche Appell: "Stop Geoengineering! Hands off Mother Earth"

 

Sebastian Henkes // Portrait: Sabine Schmidt // Bilder: Juliane Schneider, Marina Emsing // Videointerview: Liesa Seifert, Camila Beatrix Gabriel // Links: Johanna Wendel

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Berater für Klimaretter

Seine Stimme ist so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte – im gut besetzten Hörsaal 4. David Offenberg trägt ein kariertes Hemd, legere Jeans, Sneakers, sieht kaum älter aus als seine Zuhörer. Der Wissenschaftler und Fraunhofer-Technologieanalyst erklärt, warum Großtechnologie nicht das Klima retten, sondern es höchstens ändern kann. Mit unvorhersehbaren Folgen. „Bequeme Lösungen gibt es nicht“ ist er überzeugt. Technikskepsis liegt dem Experimentalphysiker fern: Im Rahmen seiner Doktorarbeit untersuchte er gefrorene Moleküle. Sein Fachgebiet ist die Photonik. Das umfasst alles, was mit Licht zu tun hat: Laser, Leuchtdioden und vieles mehr. Forschung zum Klimawandel und zu einem möglichen Gegensteuern interessiert ihn beruflich und privat.

Zusatzinformationen

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Das Klima ändert sich in der Arktis ungefähr zwei bis dreimal so schnell wie auf dem Rest der Erde. 300 Experten und Expertinnen, sowie Bewohner der Arktis haben sich zur ACIA zusammengeschlossen. Sie haben die Ursachen und Folgen der beschleunigten globalen Erwärmung der letzten 50 Jahre erforscht.

Dokumentation zur Arbeit und den Erkenntnissen der ACIA

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Erwärmungspause ja oder nein?

Diese Mitteilung der DPG fasst Gründe für die Erwärmungspause zusammen und erklärt damit einen weiteren Aspekt, den man bei der Klimawandel-Politik beachten sollte. Dabei werden vier Aspekte als Auslöser genannt, die nicht unter den menschlichen Einfluss fallen.

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Dies ist ein Statement von Ben Hale, Professor im philosophischen Institut der Universität von Colorado, zum moralischen Aspekt des Climate Engineering: Moral Hazard. Dieser Begriff beschreibt den Widerspruch, zwischen dem, was für die Allgemeinheit und dem was für ein Individuum gut ist.