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Hanf als nachwachsender Rohstoff

Eine Pflanze mit Geschichte

Hanf ist ein Rohstoff, der in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit bekommt. Faserverstärkte Kunststoffe oder Baumaterialien sind nur zwei Anwendungsgebiete der lange verbotenen Pflanze. Hanf ist vielseitig nutzbar und klimafreundlich. Auch in Deutschland wächst Hanf in einigen Regionen wieder auf dem Feld. // Von Max Joram

7.1.2014 // Was haben die erste von Levi Strauss genähte Jeans, die Gutenberg Bibel und ein Luxuswagen gemeinsam? Auf den ersten Blick erst mal gar nichts. Und doch lässt sich in diesen Gegenständen der gleiche Rohstoff finden. Die Rede ist von Hanf, eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Bereits 450 Jahre vor Christus berichtete der griechische Gelehrte Herodot von der Vielnutzbarkeit der Pflanze. In Deutschland lassen sich die ersten Funde von Hanfstoffen auf das Jahr 500 vor Christus datieren. In den Jahren 1982 bis 1995 war der Anbau auch für die Landwirtschaft komplett verboten. Seitdem erlebt der Nutzhanf, auch als Cannabis Sativa bekannt, einen stockenden, aber doch sichtbaren Aufschwung. Auch der Trend hin zu nachwachsenden Rohstoffen unterstützt diesen.

Heute gibt es ungefähr 30.000 verschiedene Produkte, die sich aus den Fasern und vor allem aus dem Öl der Samen herstellen lassen. Die moderne Chemie hat in den letzten 20 Jahren unzählige neue Anwendungen erarbeitet, jedoch werden nur die wenigsten von ihnen durchgesetzt. Grund ist der hohe Weltmarktpreis der Ausgangsrohstoffe. Vorerst arbeiten vor allem Autofirmen wie BMW oder Lotus Elise mit Hanffaser verstärkte Kunststoffe in Ihre Autos ein.

Eine Frage des Geldes?

Der hohe Preis für den Rohstoff Hanf ergibt sich aus verschiedenen Faktoren. Kunststoffe wie Nylon oder Glasfaser haben in vielen Bereichen die Funktion der Hanffaser übernommen. Kunststoffe lassen sich aufgrund des niedrigen Ölpreises, im Vergleich zu Naturfasern, günstig herstellen. Georg Wurth, Vorsitzender des Deutschen Hanfverbandes (DHV) weiß: "Hanf lässt sich nicht so leicht verarbeiten wie zum Beispiel Baumwolle, man braucht ganz andere Maschinen dafür, die erst mal viel teurer sind." Auch das treibt den Preis für die Fasern weiter nach oben, da nur wenige Landwirte zu solchen Investitionen bereit sind.

Nicht jede Faser ist gleich

Es lassen sich jedoch nicht alle Fasern gleich verwenden. Durch mehrere Produktionsschritte entstehen aus dem Stängel der Pflanze vliesfähige, Kurz- und Superkurzfasern sowie Hanfschäben. Die Fasern unterscheiden sich durch ihre Länge,  somit auch in ihrer Nutzbarkeit, enorm voneinander: Die vliesfähigen Fasern haben eine Länge von bis zu 55 Millimetern und lassen sich für Stoffe, Vliese und eben zur Verstärkung von Kunststoffen nutzen. Die Hanfvliese finden aufgrund der guten Dämmeigenschaften heute schon vermehrt Anwendung in der Bauindustrie, sei es als Trittschalldämmung oder schlichtweg zur ökologischen Wärmedämmung.

Die Hock GmbH & Co. KG produziert seit vielen Jahren Dämmmatten aus Hanf. Einen Vergleich der Wärmespeicherungskapazität von Hanf mit anderen Stoffen findet sich auf der Webseite der Hock Gmbh.

Die Kurz- und Superkurzfasern werden unter anderem als Armierungsfasern in Polymeren (Kunst-/Naturharze) verwendet und verleihen diesen dadurch andere Eigenschaften, wodurch sich neue Anwendungsgebiete ergeben. Die Hanffaser steht der Glasfaser in ihrer Festigkeit in nichts nach und ist dazu noch schnell nachwachsend. Auch Polyethylene lassen sich mit den Naturfasern verstärken und machen diese dadurch stabiler. Dazu sind sie durch den Anteil an nachwachsenden Rohstoffen weniger von den steigenden Rohölpreisen betroffen und speichern Co2, was der Klimabilanz zugutekommt. In den USA ist diese Methode verbreiteter als in Europa, es werden dort jährliche Umsätze von rund 800 Millionen US Dollar erzielt. Jack Herer bezeichnet Hanf in seinem Buch "Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf" sogar als "die profitabelste Nutzpflanze, die man sich wünschen kann".

Aus der Zellulose der Kurzfasern wird auch das robuste Hanfpapier hergestellt, welches heute vorzugsweise in Zigarettenpapieren verwendet wird. Bis 1845 spielte die Hanffaser in der weltweiten Papierherstellung eine Hauptrolle. Von da an wurde Papier zu immer größer werdenden Teilen aus Holz hergestellt, einem Rohstoff, der in Hülle und Fülle zur Verfügung stand und viel billiger war. Obwohl Hanf mehr Zellulose enthält, hat sich Holz bis heute als der Rohstoff für Papier durchgesetzt.

Eine Pflanze ohne Abfall

Die Reste der Stängel, auch als Schäben bezeichnet, werden als hochwertiges Tiereinstreu genutzt. Sie sind ca. 200 Prozent saugfähiger als Holzspäne und lösen keinerlei Allergien aus. Im Baugewerbe finden die Schäben ihren Platz als ökologischen Schüttdämmstoff.

Nach den Fasern sind die Samen der wertvollste Teil der Pflanzen. Aus ihnen wird beispielsweise ein Speiseöl gewonnen, welches nach Nuss schmeckt, acht essentielle Aminosäuren enthält und zudem reich an  Vitamin B und E ist. Aus dem Öl lässt sich aber auch ein natürlicher Kunststoff herstellen, der extrem stabil und beständig ist. Bereits 1941 baute Henry Ford ein Auto, das größtenteils aus diesem Bio-Plastik bestand. Die Idee wurde jedoch aus Kostengrüden nie marktreif. Ein Video darüber befindet sich hier:

"Henry Ford´s Hemp Plastic Car (1941), Autor unbekannt

"Alles, was heute aus Plastik ist, lässt sich auch aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen!" Dieser Meinung ist Georg Wurth. Auch er sieht das Problem für eine Verbreitung des Hanfes bei den Europäischen Marktbedingungen. "Für Papier ist Holz beispielsweise einfach viel billiger, und solange noch genug Wälder zum Abholzen da sind, wird das auch so bleiben."

Keine Pestizide, wenig Dünger

Die Vorteile von Hanf sprechen für sich: Auf Pestizideinsatz kann aufgrund der schnellen Bodenbeschattung verzichtet werden. Die heutigen Nutzhanfsorten wachsen extrem schnell in die Höhe und benötigen trotzdem nur um die 100-130 Kilogramm Kunstdünger je Hektar (Zum Vergleich: Getreide braucht 180-210 Kg/Ha, je nach Boden). In einem Jahr lassen sich auf einem Hektar ungefähr 3,5 Tonnen Zellulose und bis zu drei Tonnen Fasern ernten (Vergleich Baumwolle: 2,5-3 Tonnen Rohbaumwolle/ha). Dazu bindet die Pflanze enorme Mengen klimaschädliches Co2 und bindet dieses meist auf lange Zeit. Somit trägt die Pflanze auch ein bisschen zum Erreichen der deutschen Klimaziele bei.

Die EU hat bis heute 46 Hanfsorten für den Anbau in Europa zugelassen. Wichtig für die Zulassung ist, dass der THC-Grenzwert von 0,2 Prozent nicht überschritten wird.

Max Joram

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