Startseite / Redaktion / Suche / Kontakt / Impressum
 

Digitale Städte

Domstadt landet auf dem Spitzenplatz

In Köln ist die Digitalisierung Alltag. Bürger können Amtsgeschäfte online erledigen und sich an der Lokalpolitik am Computer beteiligen.Im Ranking des Geografischen Institut der Uni Bonn zusammen mit  "Pricewaterhouse Coopers", einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, landete die Domstadt noch vor München und Hamburg. //Von Vanessa Hömig, Camila Gabriel, Sebastian Schmidt

16.07.2015// In der Studie wurde dabei anhand von 20 Faktoren die Bereiche Verwaltung, Politik, Kommunikation, Infrastruktur und Energie analysiert und mit einem Punktesystem bewertet. Die Analyse hat zum ersten Mal die Möglichkeit geschaffen, Städte miteinander zu vergleichen und zu zeigen welche Bedeutung die Digitalisierung der Gesellschaft hat. Allerdings konnte in dieser Untersuchung nur das Vorhandensein eines Angebotes bewertet werden und nicht die Qualität.

Städte mit guter digitaler Infrastruktur sind attraktiv für Bewohner und Unternehmen. In den Städten, die sich auf den ersten Plätzen finden, liegen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer teilweise 30 Prozent über denen, die am Ende der Rangliste zu finden sind.

 

Technikjournal fragt nach: Drei Fragen an... Michael Lobeck vom Geographischen Institut der Uni Bonn und Mitautor der PwC-Studie "Deutschlands Städte werden digital".

Internetstadt Köln als Masterplan

Wie die Stadt attraktiver werden kann, darüber wurde in Köln bereits im Jahr 2010 nachgedacht. Im Rat wurde deshalb das Konzept: "Internetstadt Köln" verabschiedet. Dieses beinhaltet sieben Punkte und reicht von der Schaffung digitaler Bürgerdienste und Mitbestimmung durch die Bewohner, bis zu einer digitalen Verwaltung.

Mitbestimmung hat Grenzen

Die Mitbestimmung jedes Einzelnen war auch bei der Erstellung des Konzeptes ein wichtiger Bestandteil. Deshalb findet zweimal im Jahr ein öffentliches Forum statt, um weiter mit allen interessierten Bürgern an der Internetstadt zu arbeiten. Jeder Bürger und Unternehmer kann dort teilnehmen und sein Thema vorstellen. Diese werden dann in Themen-Modulen gebündelt. Die Teilnehmer eines Moduls treffen sich dann regelmäßig und arbeiten zusammen an der Umsetzung. Zusätzlich ist die Teilnahme am Forum per Live Stream oder in sozialen Netzwerken möglich. Doch digitale Mitbestimmung bringt nicht immer den gewünschten Erfolg. Für den Kölner Bürgerhaushalt gingen im Jahr 2008, 4973 Vorschläge ein. Im November vergangenen Jahres sank die Zahl auf 664 Vorschläge für 2015. Im Interview mit Report-K, einer Internetzeitung aus Köln, gelobte Gabriele C. Klug, Kämmerin der Stadt Köln allerdings Besserung. Man wolle mit der Ausrichtung auf die Bezirke in der Lebenswirklichkeit der Bürger ankommen doch auch gesamtstädtische Anliegen könnten weiter eingebracht werden. Die Kölner Piraten sehen einen anderen Grund für die Zurückhaltung der Bürger: "Es gibt keine Verpflichtung seitens der Verwaltung oder der Politik für eine Umsetzbarkeit der Vorschläge zu sorgen, sowie kein festes oder bindendes Budget, das dem Bürgerhaushalt nachvollziehbar zugeordnet werden kann."

 

In dieser Audioslideshow werden die interessantesten Anwendungen gezeigt, die Köln digital zu bieten hat.

Transparenz durch Open Data

Welche Auswirkungen die Beschlüsse des Rates dann in den Vierteln haben, kann der Bürger dank Open Data übersichtlich auf einer Karte sehen. Auch welche Partei vor der eigenen Tür Wahlkampf betreibt, lässt sich so einsehen.

Praktisches und Unterhaltsames dank Open Data

Wartezeiten, unnötigen Stress durch Staus oder viel Verkehr vermeiden und das Leben in der Stadt angenehmer machen- das sind weitere Gründe, um Open Data zu nutzen. Das Bereitstellen von Daten, die an vielen verschiedenen Stellen in der Stadt erhoben werden, macht eine bessere Verkehrsführung möglich. Sicher ist heute noch nicht alles perfekt. Allerdings kann schon vor der Fahrt in die Stadt die Parksituation in den Tiefgaragen und Parkhäusern abgeschätzt werden. Und so steigt der ein oder andere vielleicht auf Bus oder Bahn um, bei denen, dank der erhobenen Daten an der Haltestelle, die genaue Abfahrtszeit angezeigt werden kann. Und wenn es dann doch mal eine kurze Pause gibt, bietet sich das Veedels-Spiel Click that´hood an. Ebenfalls mit offenen Daten entwickelt.

 


Daniel (32) aus Boston: "Ich komme aus Boston und die Infrastruktur ist nicht vergleichbar mit der hier in Köln. Das Fahrgastinformationssystem ist wirklich sehr praktisch und besser als in Boston." (Foto: Camila Gabriel)

 

Online zum Amt

Besonderen Anklang beim Bürger finden die Onlinedienste der Stadt. Die Beantragung erfolgt online. Abholen müssen die Bürger dann Personalausweis und andere Dokumente weiterhin persönlich. Immerhin unnötig warten muss niemand, denn den Wunschtermin hat der digitale Stadtbewohner vorher online beantragt.

 


Tamara (35) aus Köln: "Ich habe die Onlinefunktion der Stadt Köln schon für Termine genutzt. Nur leider gibt es kein Formular für eine Absage. Nur durch einen Anruf und langes Warten in der Warteschleife konnte ich den Termin wieder absagen." (Foto: Camila Gabriel)

 

Verwaltungskosten senken

Eine Folge der Digitalisierung von der alle Bürger profitieren, die aber weitestgehend im Verborgenen abläuft, ist das digitale Rathaus. Dadurch sollen interne Prozesse in der Verwaltung beschleunigt und optimiert werden. In Köln wurde dafür die AG Internet gegründet. Diese ist direkt dem Bürgermeister unterstellt und soll so eine zügige Umsetzung der Veränderungen vorantreiben. Profitieren sollen neben den Mitarbeitern im Rathaus auch die Bewohner der Stadt. Schlanke und optimierte Prozesse bedeuten nämlich auch niedrigere Kosten.

Digitalisierung systematisch in Angriff nehmen

Ein umfassendes Konzept zur Digitalisierung wie in Köln sehen auch die Autoren der Studie als wichtigen Schritt zu einer zukunftsfähigen Stadt an. Eine wichtige Handlungsempfehlung und Mahnung geben die Macher der Studie aber allen Kommunen: " Die Digitalisierung zur Chefsache machen." Und das nicht nur bei internen Projekten innerhalb der Verwaltung. "Es besteht die Gefahr, dass sich der digitale Graben zwischen den fortschrittlichen Kommunen und denjenigen weiter vertieft, die die Digitalisierung nicht systematisch in Angriff nehmen", sagt Prof. Claus Wiegandt, Geographisches Institut der Universität Bonn, Co-Autor der Studie.

//Vanessa Hömig, Camila Gabriel, Sebastian Schmidt, Technikjournalismus/PR 6. Semester

Kommentieren und bewerten 

Mit folgendem Formular können Sie den Artikel kommentieren und bewerten. Mit einem * gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.

Ihr Name*
Ihre E-Mail-Adresse*
Bewertung des Artikels*
(1 Stern = schlecht / 6 Sterne = hervorragend)
Sicherheitsabfrage*: Bitte addieren Sie 4 und 3
Ihr Kommentar*