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Müllvermeidung

Umwelt zahlt hohen Preis für Verpackungswahn

Deutschland ist Europameister – allerdings nur im Verbrauch von Kunststoffen. Vor allem Lebensmittel werden hierzulande oft unnötigerweise in Plastik verpackt. Das stellt ein großes Problem für Umwelt und Klima dar, denn ein Großteil des Mülls landet im Meer oder wird verbrannt. // Von Rita Berisha und Laura Schmidl

07.01.2016//Wer bei einem normalen Einkauf für den Haushalt einmal darauf achtet, der wird schnell merken: Nahezu jedes Lebensmittel ist in Plastik gehüllt, einige sogar doppelt. Für den Transport nach Hause wird zusätzlich eine Plastiktüte genutzt, die zusammen mit den restlichen Verpackungen schnell im Müll landet. In Supermärkten sind die Tüten zwar kostenpflichtig, dies scheint den Kunden aber wenig zu beeinflussen: Jedes Jahr benutzen die Deutschen über 6 Milliarden Plastiktüten - dabei wird laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Tüte durchschnittlich nur 25 Minuten gebraucht, bevor sie im Abfall landet. "Damit die Nachfrage sinkt, müssen die Kosten auch hoch genug sein, sonst werden Kunden die Tüten weiterhin kaufen." sagt Wolfgang Koch, Wirtschafts- und Umweltjournalist. Dirk Jansen, Geschäftsleiter des Bereichs Umwelt- und Naturschutzpolitik des BUND NRW, sieht eine erhöhte Abgabe auf Plastiktüten als "freundlichen Weg, den Kunden zu mehr Einkaufsbewusstsein zu verhelfen." Er würde ein Verbot von Plastiktüten, wie es zum Beispiel im US-Bundesstaat Kalifornien der Fall ist, bevorzugen.

Diese Menge Plastikmüll fällt bei einem kleineren Einkauf an.

Ein kleinerer Einkauf: Links die gekauften Produkte, rechts der Plastikmüll, der beim Auspacken anfällt. //Bild: Laura Schmidl

Plastikvermüllung der Meere

Ziel sollte es eigentlich sein, möglichst viel des verbrauchten Kunststoffs wiederzuverwerten und Müll möglichst von Anfang an zu vermeiden. So sieht es das Kreislaufwirtschaftsgesetz vor – die Praxis sieht allerdings anders aus. Laut Jansen wird weniger als die Häfte des Abfalls recycelt: Der Rest landet entweder in der Müllverbrennungsanlage oder in den Meeren. Dort gefährdet der Müll vor allem die Tiere, denn nicht selten bleiben diese zum Beispiel in Sixpack-Ringen hängen ohne sich daraus befreien zu können. Diese Entsorgung führt zu einer Vermüllung der Ozeane und der Meereslebewesen.

Ein weiteres Problem stellt auch die Haltbarkeit von Plastik dar - Kunststoff ist nämlich oft mehrere Jahrhunderte haltbar, bevor es ganz abgebaut ist: Der World Wildlife Fund (WWF) berichtet, dass Plastiktüten bis zu 20 Jahre, Plastikflaschen sogar bis zu 400 Jahre benötigen, bis sie vollständig zersetzt sind. Inzwischen befinden sich auf der Meeresoberfläche regelrechte Müllstrudel. Im Nordpazifik befindet sich die Größte dieser Müllinseln - sie ist ungefähr so groß wie Zentraleuropa.

Von der Recyclingtonne in die Müllverbrennung

Die Produktion von Plastik basiert bislang überwiegend auf Erdöl. Da mehr als die Hälfte des gebrauchten Plastiks verbrannt oder in die Meere gespült wird, gehen gleichzeitig auch wichtige nicht erneuerbare Rohstoffe verloren und es wird klimaschädigendes CO2 freigesetzt. Problematisch ist, dass das Verbrennen von Kunststoffabfällen für Konzerne kostengünstiger ist als das Recycling. Zudem sieht Jansen auch das Problem bei der Verpackungsverordnung. Es gebe es kaum Anreize, Verpackungen zu vermeiden. "Es müssten verpflichtend Abgaben auf Einwegverpackungen erhoben werden, weil man nur dann auch eine ökologische Lenkungswirkung erzielt." Auch Verpackungen mit dem "Grünen Punkt" landen oftmals in der Müllverbrennungsanlage - deklariert wird das dann als thermische Verwertung.

Was passiert mit unserem Plastikmüll?

Verpackungsfrei einkaufen

Trotz des massenhaften Konsums von Kunststoffprodukten, gibt es immer mehr Supermärkte, die ihre Lebensmittel unverpackt verkaufen. „Früher konnte man mit der Tüte einfach auf den Markt gehen und abfallarm einkaufen. Heute werden sogar Bananen in Plastik umhüllt, obwohl sie schon eine natürliche Verpackung haben“, sagt Dirk Jansen. "Viele Waren müssen eigentlich überhaupt nicht verpackt werden". "Unverpackt Kiel", "Freikost Deinet" in Bonn und "Original Unverpackt" in Berlin – all diese Supermärkte haben eins gemeinsam: Sie wollen den Verpackungswahn stoppen. Daher können sich Kunden die Lebensmittel in mitgebrachte Gefäße abfüllen. Verkauft wird nach Gewicht. Auf diese Weise wird nicht nur Kunststoffabfall vermieden – die in den Verpackungen befindlichen gesundheitsschädlichen Stoffe können außerdem nicht in die Lebensmittel gelangen.

Eine Alternative zu Plastik sind Biokunststoffe, die unter anderem aus stärkehaltigem Material produziert werden. Dirk Jansen rät aber zu Vorsicht: "Nicht alles, was Bio heißt, ist auch wirklich ökologisch einwandfrei." Zum einen enthält Bio-Plastik häufig immer noch nicht erneuerbare, auch erdölbasierte Stoffe - zum anderen sieht Jansen die Gefahr, dass aufgrund der benötigten Maisstärke riesige Monokulturen aus Maisfeldern geschaffen werden. Besser sei es, Abfall ganz zu vermeiden: "Jede eingesparte PET-Flasche ist ein Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz, sowie zum Schutz der Biodiversität."

Diese Menge an Verpackungsmüll fällt bei einem einzigen Einkauf im Wert von etwa zehn Euro an. //Bilder: Laura Schmidl

Laura Schmidl // Rita Berisha, Technikjournalismus/PR, 5. Semester

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Tipps für Verbraucher

Auf Plastiktüten verzichten

Statt sich eine Tüte an der Supermarktkasse zu kaufen, kann man sich z.B. einen Stoffbeutel von zu Hause mitbringen oder einen Einkaufskorb nutzen.

Müll trennen

Da das Vermeiden von Müll nicht immer möglich ist, sollte man diesen zumindest ordnungsgemäß entsorgen, damit er der Kreislaufwirtschaft nicht verloren geht.

Einwegverpackungen vermeiden

Lebensmittel können mit Tellern abgedeckt oder in Frischhaltedosen aufbewahrt werden, anstatt sie in Frischhaltefolien zu wickeln. Auch auf Einwegplastikflaschen sollte man verzichten und alternativ zur Mehrwegplastik- oder Glasflasche greifen.

Auf Mikroplastik in Kosmetik achten

Mikroplastik finden wir u.a. in Zahnpasta, Peelings und Duschcremes wieder. Diese kleinen Plastikpartikel sind gesundheitsgefährdend und werden von zahlreichen Tieren in den Meeren aufgenommen. Vermeiden Sie also den Kauf von Kosmetikartikeln mit Inhaltsstoffen wie Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP). Weitere Informationen zu Mikroplastik in Kosmetika oder im BUND-Einkaufsratgeber zu Mikroplastik