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Nachtkontaktlinsen

Schlaf dich scharf!

Gerade abends in der rauchigen Disko oder beim Sport stören Hilfsmittel wie Brille oder Kontaktlinsen häufig ihren Träger. Ist das Gestell auf der Nase im Weg oder einfach unschick, oder die Kontaktlinsen verursachen rote Augen, so half bisher oft nur eine Laseroperation. Doch diese birgt durchaus Risiken. Und ist nicht mehr rückgängig zu machen. Eine Alternative sollen Kontaktlinsen bieten, die der Träger nur noch nachts im Auge hat, um dann tagsüber ohne Hilfsmittel sehen zu können. // Von Malte Möller

12.02.2010 // Bereits nach drei Nächten wirkt der Effekt der Linsen so, dass der Träger für bis zu 48 Stunden die volle Sehstärke besitzt. Dann müssen die Linsen nur noch nachts für sechs Stunden getragen werden. "Der große Vorteil von Orthokeratologie-Linsen (OK-Linsen) ist, dass wir keine dauerhafte Veränderung am Auge vornehmen", betont Bernd Knippscher, Augenoptikermeister und Spezialist für Orthokeratologie. "Das heißt, es besteht keinerlei Risiko auf bleibende Schäden für den Träger." Leider eignen sich OK-Linsen noch nicht für Jeden. "Diese Technik ist im Moment leider nur für Kurzsichtige anwendbar. Für ein optimales Ergebnis sollten Träger nicht mehr als 4,5 Dioptrien haben. Bei Hornhautverkrümmungen liegt der Grenzwert bei etwa 1,5 Dioptrien", erklärt Bernd Knippscher. Für Weitsichtige eignet sich das Verfahren hingegen nicht.

Nicht ganz ohne Risiko

Dr. Gerald Böhme vom Berufsverband der Augenärzte (BVA) warnt jedoch: "Nur wer wirklich gesunde Augen hat, der sollte mit dieser Technik behandelt werden." Darum ist eine gründliche Untersuchung beim Augenarzt vorab und begleitend auch später natürlich Pflicht. Generell steht der BVA der Orthokeratologie durchaus aufgeschlossen gegenüber. "Man muss bei jeder Methode die Vor- und Nachteile abwiegen. Wenn ein Kurzsichtiger den Tag über ständig mit Staub in Berührung kommt dann könnten OK-Linsen genau das Richtige für ihn sein." Jedoch weist Böhme darauf hin, dass das Komplikationsrisiko beim Tragen von OK-Linsen deutlich höher liege als dies bei gewöhnlichen Kontaktlinsen der Fall sei.

Doch wie kann die Methode funktionieren?  Die harte OK-Linse verändert über Nacht mittels Druck die Form der Hornhaut. Wie dies genau von statten geht, wird in folgender Animation deutlich:

Nachtkontaktlinsen from technikjournal on Vimeo.

Geforscht wird an dem Verfahren bereits seit über 30 Jahren, doch erst in den letzten fünf Jahren sind die Linsen in der heute verwendeten Form im Einsatz. "Es handelt sich hier um einen Kunststoff, welcher höchst sauerstoffdurchlässig sein muss, damit die Augen auch in der Nacht, trotz geschlossener Augenlider, noch ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden können", so Augenoptikermeister Knippscher.  Dr. Böhme merkt dazu an, dass nicht nur der Sauerstoff eine Rolle spiele, sondern dass auch die ausreichende Versorgung mit Tränenflüssigkeit für das Auge wichtig sei. "Nicht jedes Auge erzeugt gleich viel Flüssigkeit und nicht jeder Träger reagiert gleich, wenn er die Linsen einsetzt." Ein Nachteil der Linsen ist zudem der täglich höhere Zeitaufwand gegenüber der Laseroperation. Auch kann, in Einzelfällen, die Blendempfindlichkeit der Nachtlinsenträger in der Dunkelheit erhöht sein, vor allem bei höheren Dioptrienwerten. Im Vergleich zu anderen Kontaktlinsen sind OK-Linsen zudem noch relativ teuer. Für eine Anpassung, also Beratung sowie Untersuchung und Vermessung der Augen, wird eine einmalige Gebühr von rund 100 Euro fällig. Monatlich entstehen zudem Kosten von etwa 50 bis 60 Euro. Dafür erhält der Kunde dann aber auch das komplette Zubehör, samt Pflegemittel und Aufbewahrungsbehälter.

Technik mit Zukunft

In Deutschland leiden nach einer Studie des Allensbach-Institutes fast 50 Millionen Menschen unter einer Sehschwäche. Das sind immerhin zwei Drittel der Bevölkerung. Dennoch ist die Zahl der Träger von OK-Linsen mit wenigen tausend verhältnismäßig noch sehr gering. "Das liegt vor allem daran, dass das Verfahren noch sehr neu ist und damit noch unbekannt. Bislang gibt es gerade mal fünf zertifizierte Optiker in Deutschland", erklärt Bernd Knippscher. Diese Zertifizierung läuft unter dem Banner der wissenschaftlichen Vereinigung für Augenoptik und soll garantieren, dass jeder Anpasser, der das Gütesiegel trägt, regelmäßige Fortbildungen und Schulungen besucht. So wollen Optiker für Vertrauen in diese neue Methode der Fehlsichtigkeitskorrektur werben.

Einen Ausblick in die Zukunft gibt Kontaktlinsenspezialist Gerald Böhme: "Es ist durchaus denkbar Orthokeratologie in einigen Jahren mit dem Crosslinking der Hornhaut zu verbinden." Crosslinking wird bereits zur Behandlung fortschreitender Augenkrankheiten wie Keratokonus angewandt. Dabei wird die Hornhaut so gefestigt, dass sie sich bei vorheriger Anwendung von Orthokeratologie deutlich langsamer zurückbilden würde. Damit wäre es möglich Orthokeratologie schonend anzuwenden und damit zu gewährleisten, dass der behandelte Patient nicht jede Nacht Linsen tragen muss.

Wer Interesse an OK-Linsen hat kann sich unter folgenden Adressen weiter Informieren und erfährt dort unter anderem, wo er einen geeigneten Optiker oder Augenarzt finden kann.

http://www.schlaf-dich-scharf.de/
http://www.ok-info.org/
http://www.augenarztfinder.de/

Eine Stellungnahme zum Thema Fahrtüchtigkeit mit OK-Linsen gibt es hier:

http://www.dog.org/publikationen/stellungnahme_orthokeratologie.html

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