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Auto & Verkehr

Technik hält Falschfahrer auf

Horrorszenario Falschfahrer: Jederzeit können sie auftauchen, ob auf der Landstraße oder Autobahn. Mehrere Methoden rund um die Sicherheitstechnik auf deutschen Straßen werden momentan diskutiert. Manche sind nur Anreize, andere schon als Pilotprojekte installiert und wiederum andere bereits fest etabliert. //Von Henrike Bürger und Christoph Vogels

15.02.2017//Beinah wöchentlich ereignen sich Falschfahrerunfälle deutschlandweit. Die letzten bekannten Vorfälle auf der A61 bei Rheinböllen und der Bundesstraße 29 in Baden-Württemberg im Januar 2017 endeten tödlich und geschahen aufgrund menschlichen Versagens. Bis zu 80 Unfälle pro Jahr geschehen durch Geisterfahrer und knapp 2000 Radiomeldungen werden über Falschfahrer ausgestrahlt. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Experten sind sich einig, dass man Falschfahrer nie zu hundert Prozent aufhalten werden kann, jedoch gibt es einige technische Raffinessen, die die Falschfahrerzahlen mindern.

Technik im Fahrzeug warnt Fahrer

"Die großen Automobilhersteller wie BMW, Audi und Mercedes forschen seit Jahren mit Hochdruck an Frühwarnsystemen gegen Falschfahrer", sagt Peter Gaber, Pressesprecher Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. "Geforscht wird hierbei auf beiden Seiten: Beim möglichen Geisterfahrer und beim Gegenverkehr." Die neuen Generationen der Fahrzeuge besitzen Verkehrsschild-Erkennung durch eine Kamera. In Abstimmung mit den Navigationsdaten soll der Fahrer dann mit akustischen und visuellen Warnhinweisen im Cockpit vor einer möglichen Falschfahrt gewarnt werden.

Drahtlose Kommunikation der Autos

Auch hier forschen die meisten Hersteller schon seit mehreren Jahren daran, die Car-to-Car- oder Car-to-X-Communication in die Autos zu bringen. Hierbei tauschen Fahrzeuge innerhalb einer bestimmten Distanz über ein drahtloses Netzwerk Informationen miteinander aus. Jedes Auto fungiert dabei entweder als Sender, Empfänger oder Vermittler, der die relevanten Daten an den nachfolgenden oder entgegenkommenden Verkehr weiterleitet.
So sollen Fahrzeuge den nachfolgenden Verkehr zum Beispiel vor Unfällen, Geisterfahrern oder anderen Verkehrsbehinderungen warnen. Problem hierbei ist, dass nicht alle Fahrzeuge kommunikationsfähig sind und das Straßennetz deswegen nicht komplett abgedeckt werden kann.
Die Positionsdaten werden aber nicht nur zu anderen Fahrzeugen kommuniziert, sondern auch zu einem Servicezentrum. Dieses wiederum schickt die relevanten Daten an alle anderen Fahrzeuge mit dieser Kommunikationstechnik, der Polizei und dem Verkehrsfunk. Durch Letzteren werden auch alle anderen nicht kommunikationsfähigen Fahrzeuge vor etwaigen Unfällen oder Geisterfahrern gewarnt. Diese Technik macht also auch Sinn, wenn man nicht den neusten Wagen besitzt.

Radarempfänger an Autobahnanschlussstellen 

Viele der heutigen Autos sind mit Radarsendern ausgestattet. Beispielsweise bei der Abstandskontrolle oder der Einparkhilfe kommen diese zum Einsatz.
Der österreichische Verwaltungsrat für Verkehrssicherheit will diese Technik nun zur schnellen Warnung vor Falschfahrern nutzen. Wie? Ganz einfach: An besonders gefährlichen Anschlussstellen sollen Empfänger installiert werden, die Fahrzeuge in falscher Fahrtrichtung registrieren und dies unverzüglich der Polizei und dem Verkehrsfunk melden. Die Geisterfahrt könnte damit nicht verhindert werden, aber Betroffene könnten schneller darauf reagieren.

Thinglink-Image: Sicherheitstechnologie im Fahrzeug gegen Falschfahrten. Foto: Christoph Vogels

ThingLink-Image: Sicherheitstechnologie im Fahrzeug gegen Falschfahrten. Foto: Christoph Vogels

Funkfelder registrieren Geisterfahrer

Eine andere, aber ähnliche Methode wird momentan als Pilotprojekt von Wissenschaftlern aus Aachen und Bochum an der A43 in Bochum durchgeführt. Zwischen sechs Leitpfosten wird ein Funkfeld aufgebaut, das durchfahrende Fahrzeuge ebenfalls wie die Radarempfänger registrieren kann. Mit dieser Methode kann man Autos nicht nur zählen, sondern auch eine falsche Fahrtrichtung erkennen. Das Besondere: Das System ist komplett energieautark, da es mit Solarenergie betrieben wird. Auch hier würde per Funksignal die Polizei und Verkehrsleitstelle informiert. Sogar betroffene Autofahrer könnten innerhalb von drei Sekunden mittels einer Smartphone-App informiert werden, sofern das System etabliert ist.

Neongelbe Warntafeln an der Auffahrt

Seit nun mehr als fünf Jahren stehen an mehreren Auffahrten in Bayern 140 neongelbe Warnschilder mit der Aufschrift "Stop-Falsch". Ursprünglich stammt die Idee aus Österreich, wo die Schilder landesweit etabliert sind, Bayern kaufte 140 Schilder und installierte sie als Pilotprojekt. "Signifikante statistische Aussagen, dass die Schilder jemals eine Falschfahrt aufgehalten haben, gibt es leider nicht", sagt Stephan Lambrecht, Pressestelle "Straßen.NRW". "Abgebaut werden die Schilder aber trotzdem nicht."

Metallkrallen in der Fahrbahn 

Manche Länder, wie zum Beispeil die USA, setzten auf fest in der Fahrbahn montierte Metallkrallen, die die Reifen aufschlitzen, sobald Fahrer in Gegenrichtung fahren. Auch manche Polizisten empfehlen die Metallkrallen, denn sie sind effektiv. Jedoch warnen Rettungsdienste eindringlich davor, diese Metallkrallen in Deutschland zu installieren. "Oftmals müssen die Retter bei manchen Unfallsituationen in falscher Richtung auf die Autobahn auffahren. Die Sanitäter brauchen dann eine Art Schüssel, um die Krallen deaktivieren zu können und das raubt ihnen Zeit, die ein Verletzter vielleicht dringend bräuchte", so Lambrecht. Nebenbei sind die Kosten für die Metallkrallen bei 2000 Autobahnauffahrten in Deutschland sehr teuer.

Mensch gibt die Kontrolle an das Fahrzeug ab

Für viele Experten gibt es letztlich nur einen Weg, die Gefahr durch Falschfahrer zu minimieren: autonomes Fahren. Diese Technologie ist bereits jetzt möglich, wie unter anerem die Fahrzeuge von Tesla zeigen. Die Fahrzeuge kommunizieren untereinander, der Computer trifft die Entscheidungen und der Mensch gibt die Kontrolle ab. Aus Sicherheits-, Verkehrsfluss-, und Umweltaspekten könnte dies eine echte Alternative sein.

Christioph Vogels und Henrike Bürger, Technikjournalismus/PR

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