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Apps für Flüchtlinge

Integration per Smartphone

Arztbesuche, Behördengänge, Jobsuche - Geflüchtete müssen in den ersten Wochen viele Herausforderungen meistern. Hierbei kann gerade die Technik eine wichtige Rolle spielen. Verschiedene Apps sollen bei der Integration in Deutschland helfen. Doch werden diese Apps überhaupt genutzt? // Von Jens Weede und Christopher Hostert

23.06.2017// Viele Menschen waren in den vergangenen Monaten und Jahren gezwungen, ihre Heimat hinter sich zu lassen und sich in Europa ein neues zu Hause zu suchen. Auch in Deutschland suchten viele Geflüchtete nach der Chance auf ein neues Leben. Mit der Ankunft ist schon ein großer Schritt getan, doch gerade in den ersten Wochen gibt es noch einiges weiteres zu tun. Die Flüchtlinge müssen eine neue Kultur kennenlernen, eine neue Sprache lernen und sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen. Und genau in dieser Situation kann Technik eine wichtige Rolle spielen.

Nutzung der App

Ein Besuch in einer Unterkunft für Geflüchtete verdeutlicht die Rolle der Technik. Flüchtlinge sitzen im Raum verteilt und beschäftigen sich mit ihren teils schwer beschädigten Smartphones oder Tablets. Zwischendurch tauschen sie ein paar Worte untereinander aus, doch der Fokus liegt auf dem Bildschirm ihres Geräts. Die Flüchtlinge benutzen ihr Smartphone überwiegend zur Navigation, zum Übersetzen, für Social-Media und natürlich auch zur Unterhaltung. Dass es Apps gibt, die speziell für ihre Bedürfnisse entwickelt wurden, war ihnen unbekannt.

Bedeutung des Smartphones

Während das Smartphone in Deutschland als selbstverständlich und als Prestigeobjekt gilt, ist es für die Flüchtlinge viel mehr als das. Für sie ist das Smartphone sowohl auf der Flucht, als auch nach der Ankunft in Deutschland unabdingbar. "Für die Flüchtlinge ist das Smartphone wichtiger als Kleidung oder andere Luxusgegenstände", bestätigt Jonas Hallmann, App-Entwickler und Master-Student an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Die Geflüchteten nutzen das Gerät, um sich auf dem Weg zu orientieren, mit ihren Familien zu kommunizieren und eine neue Sprache zu lernen. Neben den bekannten Navigations- und Lern-Apps, gibt es aber auch Apps, die speziell für Flüchtlinge entwickelt wurden und ihnen bei der Integration in Deutschland helfen sollen. Technikjournal hat drei Apps genauer unter die Lupe genommen.

Die Apps

Welcome to NRW

Das Land NRW präsentierte im April 2016 die App "Welcome to North Rhine-Westphalia". Diese soll speziell bei der Integration in Nordrhein-Westfalen helfen, ist in vier Sprachen verfügbar und bietet eine Karten-Funktion und ein Phrasenbuch. Die App ist für Android und als Webanwendung verfügbar. Auch, wenn die "Welcome to NRW"-App übersichtlich gestaltet und leicht zu verstehen ist, bietet sie aktuell nur wenige Funktionen. Daher ist es für Geflüchtete nicht einfach, die passenden Informationen und Ansprechpartner zu finden.

Ankommen

Die ankommen-App ist in Kooperation zwischen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dem Goethe-Institut, der Bundesagentur für Arbeit und dem Bayerischen Rundfunk entstanden und ist in fünf verschiedenen Sprachen verfügbar. Die themenübergreifende App soll den Flüchtlingen nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die einheimische Kultur und die gesetzlichen Gegebenheiten näherbringen. Die App ist sowohl für Android, als auch für iOS verfügbar. Die ankommen-App ist in drei verschiedene Themenfelder unterteilt, welche durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet sind. Das erhöht den Wiedererkennungswert der Themen und macht die App sehr übersichtlich. Die Ansprechpartner für die einzelnen Gebiete können in der App leider nicht gefunden werden. Dennoch ist die App, gerade zum Lernen der Sprache, eine gute Hilfe.

easyl.kamp-lintfort

Jonas Hallmann, Master-Student an der Hochschule Bonn-Rhein Sieg, entwickelte im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit eine App für Flüchtlinge. In Zusammenarbeit mit der Stadt Kamp-Lintfort erstellte der 24-Jährige eine Plattform, auf der Geflüchtete in wenigen Klicks die wichtigsten Ansprechpartner und Informationen finden. Seine App ist als Webanwendung in folgenden neun Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Persisch, Russisch, Urdu, Tigrinya, Albanisch. Gerade die Verfügbarkeit in neun Sprachen macht die App für Viele sehr nützlich. Die Anwendung bietet eine große Auswahl an Informationen für Geflüchtete in Kamp-Lintfort.

Aufbau einer App

Robert Vennemann, App-Entwickler und Geschäftsführer von "Mobile 2b", hat eine genaue Vorstellung, wie eine gute App generell aussehen sollte. Für den Entwickler steht bei jeder App der Anwendungsfall im Vordergrund. Die App sollte also je nach Zweck und Nutzen angepasst und entworfen werden. Auch die intuitive Nutzung der Anwendungen ist für Vennemann sehr wichtig. Eine App sollte für jeden Nutzer möglichst ohne Erklärung benutzbar sein.
Jonas Hallmann setzte den Fokus bei der Entwicklung seiner App auch auf die Benutzerfreundlichkeit. Für ihn war es sehr wichtig, die Anwendung in vielen verschiedenen Sprachen bereitzustellen. So erzielt die App eine höhere Reichweite.

Wie soll eine gute im App im Allgemeinen aussehen und welche Apps nutzen die Flüchtlinge wirklich? , 29.05.2017, Christopher Hostert und Jens Weede

Arbeit vor Ort

Bei unseren Recherchen vor Ort ist uns aufgefallen, dass die Apps noch nicht großräumig verbreitet sind. Die Flüchtlinge zeigten sich von der Idee jedoch begeistert und waren überwiegend der Meinung, dass die Apps Potenzial haben. Flüchtlingskoordinatorin Dorothee Telson ist der Ansicht, dass Technik alleine nicht für eine erfolgreiche Integration sorgen könne, da der direkte Kontakt mit Helfern und Organisatoren für die Flüchtlinge in den ersten Wochen sehr wichtig sei. Gerade bei Formularen und Anträgen scheint die Hilfe von Einheimischen unverzichtbar. Trotzdem kann die Technik ein wichtiger Baustein bei der Integration sein und gerade in Sachen Sprachen und Kultur eine große Hilfe darstellen.

Die Apps ankommen, Welcome to NRW und easyl.kamp-lintfort

Ein Artikel von Christopher Hostert und Jens Weede

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