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Wasserversorgung im Rhein-Sieg-Kreis

Wie das Wasser in den Hahn kommt

Das berühmte Glas "Kraneberger" kennt wohl jeder. Doch bis unser Trinkwasser aus dem Hahn kommt, hat es einige Arbeitsschritte hinter sich. Der Wahnbachtalsperrenverband versorgt den Rhein-Sieg-Kreis mit Trinkwasser von höchster Qualität. Doch wie ist der Weg der natürlichen Ressource zum Nahrungsmittel?//Von Maurice Kaden

20.07.2017//"Trinkwasser ist das meistverbrauchte Lebensmittel. Deswegen muss es auch immer in Top-Qualität zur Verfügung stehen", so Alexander Kinder, Experte für Wassertechnik. Doch bevor das Wasser in gewohnt hoher Qualität aus unserer Leitung fließt, sind einige Arbeitsschritte nötig. Obwohl sich das geförderte Rohwasser bereits durch eine sehr hohe Grundqualität auszeichnet, enthält es Stoffe, die in der Trinkwasseraufbereitung entfernt werden müssen. Von natürlichen Stoffen wie Pflanzenreste oder Algen, bis hin zu gefährlichen Substanzen wie Pestizide aus der Landwirtschaft, gelangen auch Chemikalien wie Mineralöle in das Wasser. Um das Rohwasser auf Trinkwasser-Qualität aufzubereiten, sind vier Verfahrensstufen notwendig. Das Wasser durchläuft die Schritte Flockung, Filtration, Restentsäuerung und Desinfektion, bevor es an den Endverbraucher weitergeleitet wird.

Vom Roh- zum Trinkwasser

Um das Rohwasser von Mikroorganismen und Schadstoffpartikeln zu reinigen, werden Flockungsmittel beigemischt. Diese bewirken, dass sich die extrem kleinen Partikel zu filtrierbaren Flocken verbinden. Durch den Einsatz von Sandfiltern können diese Schadstoffe dann entfernt werden. Die anschließende Desinfektion eliminiert durch den Einsatz von Chlordioxid übriggebliebene Mikroorganismen rückstandslos. Die Zugabe von reinem Kalkwasser verhindert, dass im Wasser enthaltene Kohlensäure die Rohrwerkstoffe aus den Transportrohren löst und diese dadurch Schaden nehmen. Mit diesem Schritt wird die Lebensdauer der Anlagen deutlich verlängert. Während die Wassermengen aus der Wahnbach-Talsperre und dem Brunnen in Hennef in die Aufbereitungsanlage Siegelsknippen gepumpt werden, wird das Grundwasser aus Sankt Augustin separat aufbereitet. Das fertig aufbereitete Wasser aus diesen Ressourcen wird miteinander vermischt. So erhalten die Sankt Augustiner also jedes Mal ein Mischwasser aus Talsperren- und Grundwasser, wenn Sie den Hahn aufdrehen.

Der Aufbereitungsvorgang

Infrastruktur

Täglich fließen im Schnitt circa 112.000 Kubikmeter Trinkwasser aus den Hähnen des Versorgungsgebiets. Mit dieser Menge könnte man 560.000 Badewannen füllen. Um diese enormen Massen im gesamten Versorgungsgebiet verteilen zu können, transportiert der WTV das Wasser durch ein flächendeckendes Netz aus Versorgungsleitungen, Zwischenspeichern und Hochbehältern. Der WTV beliefert die lokalen Versorgungsunternehmen in der Region, die das Wasser an den Endverbraucher weiterleiten. Das System ist vergleichbar mit einem Großhändler, der die Produkte an kleine Betriebe verkauft, welche dann den einzelnen Kunden beliefern. Für diese Verteilung werden Übergabestationen eingesetzt, das können beispielsweise einfache Wasserbehälter im großen Maßstab sein. Aus diesen Stationen bedienen sich die regionalen Versorger und beliefern ihre Kommunen.

Rohrschutz

Die mit einem Durchmesser bis zu 100 Zentimeter gebauten Hauptversorgungsleitungen verfügen über einen besonderen Korrosionsschutz. Durch den sogenannten kathodischen Korrosionsschutz werden die unter der Erde liegenden Rohre vor Schäden geschützt. Dabei handelt es sich um ein elektrochemisches Schutzverfahren, bei dem durch eine elektrische Schutzspannung verhindert wird, dass sich Metallpartikel lösen und somit Korrosion entstehen kann. "Die Wasserwerke müssen sich an Richtwerte halten, welche die Qualität sicherstellen. Sowohl beim Verlassen des Werkes, als auch beim endgültigen Verbraucher müssen diese eingehalten werden. Deswegen ist ein sicherer Schutz der Rohre ein wichtiger Teil der Qualitätssicherung.", so Kinder.

Hochbehälter

Da nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit ein gleichmäßiger Wasserverbrauch stattfindet, werden Hochbehälter eingesetzt. Diese garantieren, dass immer Wasser zur Verfügung steht, auch zu "Rush-Hour-Zeiten". Diese finden besonders in den Morgen- und Abendstunden statt. Der WTV befüllt dauerhaft zwei Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von jeweils 10.000 Kubikmetern. Durch dieses System ist ein ständiger Puffer mit frischem Trinkwasser vorhanden und eine ständige Verfügbarkeit wird garantiert.

Trinkwasser als Selbstverständlichkeit

Sauberes Trinkwasser ist für die Menschen in Deutschland zur Normalität geworden und gehört für sie zum Lebensstandard dazu. Diese Selbstverständlichkeit verleitet schnell zu einem verschwenderischen Umgang mit der lebenswichtigen Flüssigkeit. Um die Versorgung auch in Zukunft dauerhaft sicherstellen zu können, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Dirk Radermacher, stellvertretender Geschäftsführer des WTV, erachtet die Schonung vorhandener Ressourcen als besonders wichtig: "Ein bewusster Umgang mit Trinkwasser wäre mit Blick auf den vorbeugenden Schutz unserer Wasserressourcen, insbesondere der für die Trinkwassergewinnung genutzten Ressourcen, wünschenswert." Hier gelte es, insbesondere die Qualität dieser Wasserressourcen so zu sichern, sodass in Zukunft eine sehr hohe Rohwasserqualität gewährleistet sei und damit der Aufwand für die Trinkwasseraufbereitung in Grenzen gehalten werden könne. Diese Selbstverständlichkeit sei aber auch eine "Grundvoraussetzung für unser hochentwickeltes Land", so Radermacher. Rund 120 Liter Wasser verbraucht jeder Einwohner in Deutschland täglich für beispielsweise Dusche oder WC-Spülung.

Ausreichend Ressourcen vorhanden

Obwohl der Rhein-Sieg-Kreis zu den Regionen mit dem stärksten Bevölkerungswachstum in Deutschland gehört, ist der aktuelle Stand der Trinkwassergewinnung ausreichend. So kann die Versorgung auch zukünftig sichergestellt werden. "Insgesamt liegt die bewilligte Entnahmemenge für die drei Wasserressourcen derzeit bei 55,1 Mio. Kubikmeter im Jahr, sodass - mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung im Versorgungsbereich des WTV - derzeit noch hinreichend Reserven verfügbar sind", erklärt Radermacher. Eine Erschließung von neuen Ressourcen, sowie die Aufrüstung der Anlagen für die Trinkwassergewinnung- und aufbereitung, seien in absehbarer Zeit nicht notwendig.

Stausee der Wahnbachtalsperre.
Stausee der Wahnbachtalsperre. //Foto: WTV

Maurice Kaden, Technikjournalismus/PR, 6. Semester

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Der Autor

Maurice Kaden

Wahnbachtalsperrenverband

Das Versorgungsgebiet des Wahnbachtalsperrenverbands (WTV) erstreckt sich von Windeck im Osten, bis nach Rheinbach im Westen. In diesem Gebiet werden circa 800.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Um die Versorgung sicherzustellen, nutzt der Verband drei Ressourcen und bereitet das dort gewonnene Wasser auf. Jeweils ein Grundwasserwerk in Hennef und Sankt Augustin und die um Jahr 1958 gebaute Wahnbachtalsperre. Obwohl die 52,2 Meter hohe Wahnbachtalsperre ein Volumen von 41,3 Millionen Kubikmeter Wasser speichern kann und davon 28,1 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert werden dürfen, deckt es alleine den Bedarf von circa 43 Millionen Kubikmeter Trinkwasser nicht ab. Um die benötigte Menge bereitzustellen, könnten im Grundwasserwerk Sankt Augustin-Meindorf bis zu 20 Kubikmeter, sowie im Grundwasserwerk in Hennef bis zu sieben Kubikmeter Wasser jährlich gewonnen werden.