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Drohnen

Fliegender Lebensretter

Bis jetzt wurden lebensrettende Maßnahmen durch Sanitäter eingeleitet. Schwer erreichbare Orte wie Wälder oder Strände können dann zum Problem werden, vor allem wenn Erste Hilfe innerhalb von wenigen Minuten geleistet werden muss. Ein schwedisches Start-Up hat nun eine Drohne entwickelt, die Leben retten kann. // Von Pelin Öztopcu und Sevda Askin

13.08.2017// Für einen Jogger, der im Wald einen Herzinfarkt erleidet, kommt der Krankenwagen eventuell zu spät. In dieser Situation könnte eine Drohne helfen. Die Voraussetzung ist, dass der Jogger oder ein Begleiter einen Notruf sendet. In Schweden kann nach dem Anruf neuerdings nicht nur ein Krankenwagen losgeschickt werden, sondern auch eine Drohne, die den Unfallort anpeilt und ihn innerhalb weniger Minuten erreicht. Das schwedische Start-up hat die Rettungsdrohne auf den Markt gebracht.

"In Schweden und in anderen Ländern besteht in der Sommerzeit eine Problematik. Im Vergleich zum Winter vervierfacht sich die Einwohnerzahl in manchen Gebieten des Landes und die Sanitäter verfügen meistens nicht über genug Hilfsmittel, um die Menschen zu versorgen", erklärt Sebastian Wallmann von FlyPulse.

Reichweite und System der Drohne

Da die Reichweite der Drohne nur 15 Kilometer beträgt, muss sie sich an einer Andockstelle in der Nähe befinden. Beim Notruf, erhält sie Informationen zum Standort und das System berechnet die beste Strecke, um Hindernisse auf dem Weg zu vermeiden. Während des Flugs wird, per Livestream, der Quadrokopter von einem Operator gesteuert.

Funktionsweise der Rettungsdrohne

Technische Details

Ausgestattet sind die Dohnen mit einer 4G Internetverbindung und einer Videofernmesstechnik für den Monitor. Das Gesamtgewicht der Drohne beläuft sich auf etwa sechs Kilo. Bei einem Notruf kann das Flugobjekt automatisch starten, fliegen und landen. Die Drohne erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Kilometer pro Stunde und fliegt in einer maximalen Höhe von 100 Metern. Ein weiterer Vorteil ist die Ortung des mobilen Geräts durch das GPS. Abgelegene Gebiete können auf schnellstem Wege erreicht und Patienten versorgt werden. Die Anweisungen zur Behandlung des Opfers werden über ein eingebautes Audiosystem gegeben.

Bedienung am Unfallort

Der Defibrillator, der sich auf der Erste-Hilfe-Drohne befindet, wird wie ein handelsübliches AED Gerät genutzt. Begleiter einer zu rettenden Person müssen dann die Anweisungen befolgen, die sprachlich und bildlich erfolgen. Es befinden sich zwei Elektroden in dem Defibrillator, die am Patienten angebracht werden. Anschließend wird die Herzfrequenz gemessen und wenn nötig ein elektrischer Schock gesendet. Nach Eintreffen des Rettungspersonals wird die Drohne wieder an ihre Station zurückgeschickt.

Gedacht als Ergänzung zum klassischen Krankenwagen steht diese Drohne nun zur Verfügung

Gedacht als Ergänzung zum klassischen Krankenwagen steht diese Drohne nun zur Verfügung; Quelle: FlyPulse

Symptome erkennen und handeln

Alexander Lechleuthner, Leiter des Rettungsdiensts der Stadt Köln, ist der Meinung, dass es sinnvoll wäre die Symptomatik der Patienten richtig zu erkennen. Fast jeder dritte Anrufer mache die Aussage, dass irgendwo jemanden liegen würde. Wenn man jedes Mal eine Drohne losschicken würde, wenn es sich nur um einen Betrunkenen handele, dann wäre dies eine Herausforderung, sagt Lechleuthner. In Köln gäbe es pro Tag fast 400 Einsätze. Die Schwierigkeit läge darin, dass gegebene Anweisungen über das Telefon oft auch falsch ausgeführt würden. Nicht jeder verfüge über dasselbe Wissen und könne in einem Schockzustand immer Anzeichen für eine Herz-Rhythmus-Störung erkennen, so Lechleuthner.

Komplikationen bei Einsatz von Drohne

"Also man hat zwar die technische Lösung, weiß aber nicht genau, was man damit machen kann“. Lechleuthner fragt sich auch, ob ein weiterer Mitarbeiter mit einer Fluggenehmigung zur Steuerung der Drohne eingestellt werden müsste. Zusätzlich bestehe die Schwierigkeit Handys zu orten, da man eine Genehmigung der Polizei benötige, erklärt Alexander Lechleuthner. Gerade im Wald könnte der Rettungsort oft nicht genau bestimmt werden. Zudem stellt sich die Kostenfrage zur Aufrüstung. Schätzungen zu Folge, belaufen sich die Kosten für eine Rettungsdrohne auf etwa 20.000 Euro.

Gefahren im Luftraum

Drohnen werden mittlerweile für private und gewerbliche Zwecke genutzt und deshalb können bereits mehrere Drohnen gesichtet werden. Bei einem Notruf wird die Drohne zwar von einem Operator gesteuert, jedoch birgt solch ein Flug immer noch die Gefahr einer Kollision. Zum jetzigen Zeitpunkt gäbe es einfach noch zu wenig Erfahrung mit selbst fliegenden Drohnen, weiß Lechleuthner. Außerdem sei es zum Beispiel bei einem Nachtflug eines Hubschraubers ein Muss, feste Routen und einen sicheren Landeplatz anzupeilen. Bei einer Hilfsdrohne würde über das Video auch nicht alles gesehen werden können.

Das Forschungsprojekt Erste-Hilfe-Drohne

An der TU Delft in den Niederlanden wird ebenfalls zu Rettungsdrohnen geforscht. Deren Forschungsdrohne ist mit 100 Kilometern pro Stunde zwar schneller unterwegs und mit unter fünf Kilo auch leichter als die schwedische Variante, wann und ob die Drohne jedoch tatsächlich eingesetzt wird, ist noch unklar. Das Forschungsprojekt an der TU Delft wurde jedoch bereits 2015 im Bundesministerium für Gesundheit in Deutschland vorgestellt.

Statement vom langjährigen Fotografen und Drohnenflieger Volker Lannert

Ein Artikel von Pelin Öztopcu und Sevda Askin

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Die Autoren

Autorin_Askin   Autorenbild_Oeztopcu

Sevda Askin & Pelin Oeztopcu