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Röntgenstrahlen zur Tumorbehandlung

Ein Messer aus Licht

Eine neue Technik bietet die Möglichkeit Tumore ohne Operation zu entfernen. Bei dem so genannten CyberKnife werden die kranken Zellen mit Röntgenstrahlung gezielt bestrahlt. Dies erspart dem Patienten Schmerzen und die Verletzung von gesundem Gewebe. // Von Paulina Würth

17. Juli 2012 // Als Wilhelm Röntgen 1895 eine neue Strahlung entdeckte, war dies wichtiger Tag, nicht nur für die Physik, sondern auch für die Medizin. Die neu entdeckten Wellen boten die Möglichkeit in den menschlichen Körper hineinzusehen, ohne die Notwendigkeit ihn dafür aufzuschneiden. 150 Jahre später ergibt sich auf diesem Feld eine weitere Anwendung.

Doktor Muacevic arbeitet am European CyberKnife Center in München. Hier wird seit 2005 das CyberKnife zur Tumorbehandlung eingesetzt. "Ob ein Tumor mit dem CyberKnife behandelt werden kann hängt von Lage, Art, Größe und Vorbehandlung des Tumors ab. Nur in 10 bis 15 Prozent der Fälle ist eine solche Behandlung möglich."

Inzwischen gibt es Deutschland-weit fünf CyberKnife-Zentren, die diese Behandlung anbieten. Während der 30- bis 90-minütigen Bestrahlung liegt der Patient auf einem Behandlungs-tisch, voll bekleidet, ohne Narkose oder andere Medi-kation. Im Falle einer Hirn-behandlung wird eine speziell angefertigte Kopfstütze verwendet, die dem Patienten hilft den Kopf ruhig zu halten. "Da wir diese Behandlung nur nach intensiver Prüfung der Fakten anwenden haben wir eine 90 prozentige Erfolgschance. Wir müssen schon vorher wissen wie es ausgeht, denn Beschwerden treten erst bis zu drei Monate später auf." erklärt Dr. Muacevic.

Bei einem Eingriff wird die Energie der Photonen auf genetischer Ebene an die Tumore abgeben und zerstört so das Erbgut, der Tumor geht zugrunde. Das zerstörte Gewebe wird dann von den gesunden Zellen abgebaut, zurück bleibt eine Narbe. Der Patient spürt davon nichts, auch kann er direkt nach der Behandlung aufstehen und gehen.

Die Hauptkomponente des CyberKnifes besteht aus einem Industrieroboter wie er in der Automobilproduktion verwendet wird. An dessen Spitze ist ein Linearbeschleuniger befestigt der die hochenergetische Photonen erzeugt. Die sechs Achsen des Roboterarms sorgen dafür dass der Patient von allen Seiten bestrahlt werden kann.

Diesen Aufbau gibt es schon seit 1968, entwickelt von Lars Leksell und Börje Larsson an der Universität von Uppsala. Damals nannte es sich noch Gamma Knife und wurde zu Forschungszwecken verwendet.

Erst 1990 mit der Gründung der Firma Accuray und der Zulassung durch die amerikanische Gesundheitsbehörde Anfang des 21. Jahrhunderts wurde das CyberKnife marktfähig. Dies lag vor allem an der fortgeschrittenen Rechnerleistung, mit der es nun möglich war, die millimetergenaue Ausrichtung des Photonenstrahles zu garantieren. Denn die zweite Komponente des CyberKnifes bildet ein Bildverarbeitungsrechner. Dieser wertet die ganze Behandlung über die Bilder zweier senkrecht aufeinander stehender Röntgenröhren aus und gleicht sie mit vorher aufgenommenen Bildern der zu bestrahlenden Stelle ab. So können kleinste Bewegungen des Patienten ausgeglichen werden. An natürlichen Merkmalen wie dem Schädelknochen oder zusätzlich eingefügten Landmarken orientiert sich der Computer, dadurch kann die Bestrahlung auf 0,2 Millimeter genau erfolgen.

 

Die Technik der punktgenauen Strahlenbehandlung steckt zwar nicht mehr in den Kinderschuhen, dennoch wird auf diesem Gebiet weiter intensiv geforscht. Die Wirksamkeit von hochenergetischer Röntgenstrahlung wird auch in anderen Gebieten der Medizin getestet. In Studien wird an der Behandlung von Depression und Sucht durch Hirnstimulation gearbeitet, sowie zur Therapie von Herzrhythmusstörungen.

Für alle Interessierten haben wir auf storify.de eine Linksammlung mit weiteren Informationen zusammengestellt.

Paulina Würth

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