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Windkraft

Der Energiedrache - Strom aus der Luft gegriffen

Ökostrom liegt im Trend. Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um sauberen Strom aus nachhaltigen Quellen zu gewinnen. Die Firma Enerkite aus Brandenburg hatte die Idee, wie man zusammen mit einem Drachen und Wind Strom erzeugen kann. // Von Giacomo Zucca

5.6.2013 // Wer im Herbst die deutschen Strände besucht, wird vermutlich Kite-Surfern über den Weg laufen. Eine Extremsportart, die sich erst seit den 1980ern stark verbreitet hat. Beim Kitesurfen schnallt sich der Surfer ein Board unter die Füße und lässt sich von dem Kite, einem Lenkdrachen, mit der der Energie des Windes ziehen. Warum sollte man anhand dieser Technik nicht auch Strom gewinnen? Das hat sich auch ein Team von Entwicklern aus Brandenburg gedacht und den "Enerkite" erfunden, der als Lenkdrache dem klassischen Windrad nun Konkurrenz machen könnte.

Die Alternative für Windräder

Windräder sind auf dem Markt der Windenergie deutlich auf dem ersten Platz. Fast konkurrenzlos dienen sie als sichere und saubere Lösung für nachhaltigen Ökostrom. Dabei sind Windräder sehr teuer und missfallen vielen Menschen, da sie oftmals das Bild schöner Landschaften stören. Der Enerkite könnte diese beiden Probleme lösen.

Ein kompliziertes System mit einfacher Technik

"Mobile Flugwindenergieanlage EK30" heißt das System, das den Energie-Drachen steuert und gleichzeitig Strom erzeugt. Auf den ersten Blick scheint diese Technik sehr einfach zu sein. Die mobile Flugwindenergieanlage gleicht einem grün gefärbten Feuerwehrauto. Auf dem Dach des Autos befindet sich eine Spule, auf der zwei Seile aufgewickelt sind. Die Seile sind mit dem Enerkite-Drachen, der etwa 15 Quadratmeter große Flügel hat, verbunden. Der Drache macht ständig achtförmige Flugbewegungen und zieht somit das Seil von der Spule nach oben. Durch den Zug wird die Spule gedreht und erzeugt über einen Generator Strom. Der Drache kann bis zu 300 Meter hoch fliegen und erzeugt beim Aufstieg Strom. Sobald der Enerkite die maximale Flughöhe erreicht hat, wird er von einem Teil des erzeugten Stroms wieder heruntergezogen. Dabei wird das Seil auf die Spule gewickelt und der Prozess beginnt von neuem.

"Der Vorteil beim Enerkite ist, dass er sich, sobald er in Betrieb genommen wird, völlig selbst mit Strom versorgt", so Entwickler Dr. Alexander Bormann. Damit der Drache auch richtig gelenkt wird und nicht abstürzt, wird der Kite von mehreren Sensoren überwacht. Diese erfassen die Position, die Geschwindigkeit und die Lage des Drachen. Dazu kommt noch eine Software, die mit allen Komponenten die optimale Steuerung ausrechnet und somit den Kite stabil in der Luft hält.

Den Windrädern einen Schritt voraus

Das klassische Windrad darf maximal 120 Meter hoch sein. Dies ist allerdings ein Nachteil, denn die stärkeren Winde sind höher. Der Enerkite nutzt den Vorteil auch Höhen bis zu 300 Meter zu erreichen. Zukünftig sollen die Kites aber noch höher fliegen. Bis zu 500 Meter sind aktuell in Planung. Damit die Lenkdrachen nicht den Flugverkehr stören, wurden am Drachen Kenntlichmachungen angebracht, die für Sportflugzeuge sehr gut sichtbar sind. Den Vorteil, den Windräder jedoch weiterhin haben ist, dass ein Windrad an einer festen Stelle steht und weder auf- noch abgebaut werden muss. Beim Enerkite muss der Drache jedes Mal erneut aufgebaut, gestartet und am Ende abgebaut werden.

Für kleinere Dörfer und Elektroautos eine rentable Stromquelle

Bis zu 30 kW Nennleistung bringt die mobile Flugwindenergieanlage. "Die Enerkiteanlage kann beispielsweise ein 60-Einwohner-Dorf versorgen", so Pilot und Kite-Designer Christian Gebhardt. Für eine Stadt wie Köln, mit über einer Million Einwohnern, bräuchte man für die Versorgung rund 16.666 mobile Anlangen. Trotzdem ist das Enerkite-Mobil in der Lage, innerhalb von einer Stunde so viel Strom zu erzeugen, dass der Akku eines Elektroautos vollständig geladen werden könnte.

Claudio Salvi, Forscher beim ANEV, der italienischen Gesellschaft für Windenergie, sieht dieses Projekt jedoch kritisch: "Für kleinere Orte ist dies sicherlich eine gute Erfindung. Für eine Großstadt muss aber eine andere Idee her, da die Drachen in der Luft sehr viel Platz benötigen und nicht einfach nebeneinander gestellt werden können." Laut Salvi bestehe die Gefahr, dass sich die Drachen verfangen, wenn die Windkraftanlagen zu nah beieinander stehen. Das Projekt ist zurzeit noch nicht ganz ausgereift. Bis zum Jahr 2014 soll die Produktentwicklung endgültig fertig sein. Danach wird sich zeigen, ob die Windkraftanlage, wie geplant, ab 2017 ins Stromnetz eingebunden werden kann.

Flugwindenergieanlage EK30 im Einsatz

Giacomo Zucca

Giacomo Zucca

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