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Elektrofahrrad

Eingebauter Rückenwind

Fahrradhersteller bieten seit einigen Jahren Fahrräder mit elektronischer Unterstützung an, sogenannte Pedelecs. Sind sie nur ein Fortbewegungsmittel für Rentner oder auch für die jüngere Generation? Wir haben uns die Trend-Bikes angeschaut und unsere Erfahrungen in einem Video festgehalten. // Von Edwin Hurt & Marius Siebenhaar

11.06.2013 // Fahrrad fahren macht bei schönem Wetter Spaß. Wären da nicht ständig hinderliche Steigungen und der gefürchtete Gegenwind. Jeder wünscht sich in solchen Situationen einen stillen Helfer, der mit anschiebt. Ein Pedelec ist dann genau das Richtige. Das Wort Pedelec setzt sich aus den drei Wörtern: PEDal ELEctric Cycle zusammen. Es bezeichnet Fahrräder, die beim Treten in die Pedale von einem Motor unterstützt werden. "Die Pedelecs liegen auch 2013 immer mehr im Trend", so Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Bettina Cibulski (ADFC) über die weitere Entwicklung des Trends:

Hurt und Siebenhaar 30.04.2013

Vor zwei bis drei Jahren wurden die unterstützenden Räder hauptsächlich von Senioren genutzt. Viele haben Angst, das Auto zu nutzten oder nicht genügend Kraft für ein normales Zweirad. Pedelecs machen diese Menschen wieder ein Stück weit mobil. Aus einer Nutzerumfrage des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) vom Februar 2013 geht hervor, dass 29 Prozent der E-Rad-Nutzer zwischen 30 und 49 Jahre alt sind. Sie nutzen das Pedelec immer häufiger für den Weg zur Arbeit.

Als ob jemand hinterherläuft und schiebt

Aus diesem Grund sind wir bei Wolfgang Siegmund, Pedelec-Experte vom Fahrradfachgeschäft FahrradXXL-Feld in Sankt Augustin. Für unseren Test stellt er ein Damenrad mit Mittelmotor sowie ein sportliches Mountainbike mit Heckantrieb zur Verfügung. Nach einer kurzen Einführung zur Bedienung der Bordcomputer, an denen die verschiedenen Unterstützungsstufen eingestellt werden, heißt es nur noch den Sattel einzustellen und los geht es. Um sich an die Elektromotoren zu gewöhnen, absolvieren wir eine Testrunde auf dem Firmengelände. Für den Anfang mit der kleinsten Unterstützungsstufe. Auf den ersten Metern macht sich der Elektromotor bereits deutlich bemerkbar. Wir treten in einem hohen Gang leicht in die Pedale. Es fühlt sich wirklich so an, als ob jemand hinter uns herläuft und schiebt.

Der Heckmotor wird hauptsächlich für die sportlichen Pedelecs verwendet. Durch das höhere Gewicht auf der Hinterachse bringt er Traktionsvorteile mit sich. Dies bedeutet, dass dieser Antrieb die volle Kraft vom Rad auf die Straße überträgt, ohne die Räder durchdrehen zu lassen. Die Motorwirkung geht zudem komplett auf das hintere Rad, was eine schnelle Fahrweise garantiert. Der Mittelmotor ist die beliebteste Variante. Er befindet sich unmittelbar hinter dem Tretlager. Die Kraft wird bei diesem Antrieb direkt auf die Kette übertragen. Durch seine Position in der Mitte des Fahrrades, hat er eine optimale Gewichtsverteilung.

Und los geht's ins Gelände

Nach der Testrunde geht es vom Parkplatz zur etwa einen Kilometer entfernten Sieg. Natürlich wollen wir wissen, was in den Fahrrädern steckt, also wird die höchstmögliche Unterstützung eingestellt.
Beide Bikes besitzen einen 250 Watt Motor, der den Fahrer beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometer unterstützt. Wird diese Geschwindigkeit überschritten schaltet sich die Elektronik ab und es muss mit eigener Kraft weiter getreten werden. Gesetzlich bedeutet dies für uns keine Helmpflicht, keine Mofaprüfbescheinigung, keine Versicherung. Und die Radwege dürfen wie auch benutzen.

Stiller Helfer

Die Pedelecs treiben, bei leichtem Treten in die Pedale, mit einer Kraft nach vorne, dass wir innerhalb von 20 Metern auf 25 Stundenkilometer beschleunigen. Niemals hätten wir mit so einer Beschleunigung gerechnet. Die Geschwindigkeit können wir danach ohne Probleme, mit wenig Kraftaufwand halten. Nachteil dieser Fahrweise ist jedoch, dass der Akku schnell an Reichweite verliert. Bei unseren Fahrrädern hält der Akku, je nach Unterstützung, zwischen 40 und 100 Kilometern. Eine komplette Aufladung verbraucht eine Kilowattstunde Strom. "Die Technik der Motoren ist soweit ausgereift. In den kommenden Jahren wird in diesem Bereich nicht mehr viel passieren, außer an der Leistungsstärke der Akkus", so der Pedelec-Experte Wolfgang Siegmund.

Worauf man laut Bettina Cibulski (ADFC) beim Akku achten sollte:

Hurt und Siebenhaar 30.04.2013

Am Ufer der Sieg lässt die erste Steigung auch nicht lange auf sich warten. Ein steiler Anstieg über eine Brücke. Wir beobachten viele Fahrradfahrer die absteigen und schieben oder verschwitzt auf der Brücke ankommen. Wir mit unseren Pedelecs haben es da um einiges leichter. Mit wenig Kraftaufwand schiebt uns der Motor nach oben. Bei normalem Puls und einem Grinsen im Gesicht, ist die Steigung schnell bewältigt. Auch der Gegenwind macht uns auf der kleinen Tour nicht zu schaffen.

Ein beeindruckender Autoersatz

Unser Fazit nach zehn gefahrenen Kilometern ist eindeutig: Wir haben keine Schweißperle auf der Stirn und die Oberschenkel brennen auch nicht. Die Pedelecs sind nicht nur für den Freizeitbereich bestens geeignet, sondern auch für alltägliche Fahrten zum Supermarkt und zur Arbeit. Laut der VCD-Nutzerumfrage sind die Elektrofahrräder für 21 Prozent der Befragten ein guter Autoersatz. Zu diesem Ergebnis sind auch wir gekommen. Das Einzige, was uns abschreckt, ist der zurzeit noch recht hohe Kaufpreis von durchschnittlich 2500 Euro. Ansonsten sind wir rundum begeistert.


Das Interview mit Wolfgang Siegmund und unser Selbsttest.

Verkehrsclub Deutschland
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club 
VCD-Nutzerumfrage (PDF 979 KB)
ADAC-Pedelec-Test

In dieser Galerie sieht man die drei möglichen Antriebsarten eines Pedelec und den Bordcomputer, der zur Einstellung genutzt wird.

               

Edwin Hurt // Marius Siebenhaar

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