Startseite / Redaktion / Suche / Kontakt / Impressum
 

Internet und Analyse

Groß, komplex, Big Data

Ob mit dem Handy, Tablet oder PC - jeder hinterlässt täglich große Datenspuren im Internet. Insbesondere bei Unternehmen wecken diese besonderes Interesse. Doch wozu werden die Daten eigentlich benutzt? // Von Dominik Helmkamp

4.12.2013 // Der Begriff "Big Data" bedeutet plump übersetzt erst einmal nur "große Datenmengen". In der Regel spricht man jedoch erst dann von Big Data, wenn bestimmte Eigenschaften (die so genannten "drei Vs") auf die Ausgangsdaten zutreffen. Speziell ist hierbei nicht nur das Datenvolumen (Volume), sondern auch die Geschwindigkeit, mit der die Daten analysiert werden (Velocity) und die Datenvielfalt (Variety) entscheidend. Big Data ist somit die Analyse von besonders großen, vielfältigen Datenmengen, die meist in Echtzeit stattfindet.

Die Grafik zeigt die Grundbausteine der Analyse von Big Data – Datenvolumen, Datenvielfalt und Geschwindigkeit. Je umfangreicher diese Daten sind, beziehungsweise je schneller sie analysiert werden müssen, desto mehr Rechenleistung (und damit auch Zeit) wird dazu benötigt. Die Untersuchung von einem Satz GPS-Daten eines Handys dauert beispielsweise wesentlich länger als die Auswertung einer Excel-Tabelle.

Wie wird Big Data bereits genutzt?

Ein populäres Beispiel für die Möglichkeiten, die die Auswertungsolcher Daten schaffen kann, stellte Google schon im Jahr 2008 vor. Mit "Google Flu Trends" konnte man in den letzten Jahren ein Verfahren entwickeln, dass die präzise Schätzung der Häufigkeit von Grippe-erkrankungen in einem Land ermöglicht. Hierzu werden die Suchanfragen der Nutzer analysiert und in Echtzeit ausgewertet. Wird in einem Gebiet beispielsweise besonders oft nach den Symptomen der Grippe gesucht, wird dieser Trend erkannt und fließt mit in die Analyse ein.

Außerdem nutzte Google Big Data für Prognosen zur Bundestagswahl 2013 in Deutschland. Auf einer speziellen Website wurden Verbrauchern gesammelte Informationen bereitgestellt. Anhand von Twitter-Tweets, Google-Suchanfragen und Informationen aus dem Google-Plus Netzwerk wurde zudem ein Wahltrend berechnet, der ebenso in Echtzeit abrufbar war.

Der Triebwerkehersteller Rolls Royce setzt ebenfalls auf Big Data. Fliegt ein Flugzeug mit einem Triebwerk des Herstellers sendet dieses einen konstanten Datenstrom an eine Zentrale in Derby (England). Tritt ein Fehler auf können die Techniker am Boden die Wartung vorbereiten und können so durch die frühzeitige Erkennung eine schnelle Reperatur einleiten. Des Weiteren wird Big Data beispielsweise zur Verbesserung der Effizienz von Windkraftanlagen, in Online-Versandhäusern (z.b. Amazon) und sogar in der Medizin angewandt.

Big Data für big business

Insbesondere Unternehmen können von Big Data profitieren. Durch die Untersuchung von Kundendaten ist es möglich Produkte und Dienst-leistungen besser an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Geschäftsprozesse können optimiert, Risiken besser kalkuliert werden. Zugleich zeigen auch die aktuellen Studien eine klare Steigerung des Umsatzes durch Big Data. "Es gibt zwar einige Bereiche in denen eine Expertenmeinung verlässlicher ist, als das Verfahren, das auf maschinelles Lernen ausgelegt ist", sagt Dr. Dirk Hecker, Leiter der Abteilung Knowledge Discovery im Fraunhofer Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS). "Sobald jedoch eine gewisse Größe an Datenvolumen und Schwierigkeiten im Entscheidungsprozess vorhanden sind, ist Big Data ein zentraler Punkt für den deutschen Mittelstand und dessen Unternehmen."

Umsatz mit Big-Data-Lösungen in Deutschland von 2011 bis 2016 (Quelle: Experton Group)

Umsatz mit Big-Data-Lösungen in Deutschland von 2011 bis 2016 
(Quelle: Experton Group)

 

Große Daten, große Verantwortung

Spätestens seit dem im Juni bekannt gewordenen PRISM-Überwachungsprogramm ist das Thema Datenschutz im Internet wichtiger denn je. Durch die enormen Datenmengen scheint es, als wäre Big Data nur der nächste Schritt, um weitere Informationen über den Nutzer zu erhalten. Die Chancen von Big Data sind sogleich auch seine möglichen Gefahren. Prof. Dr. Sayeed Klewitz-Hommelsen, Prodekan des Fachbereichs Informatik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, arbeitet und forscht im Bereich Internet- und Multimedia Recht und erklärt: "Das neue an Big Data ist, dass Daten, die erst einmal gar nicht im Zusammenhang stehen, für eine Auswertung zusammenführt werden." In der Praxis heißt das: Wenn beispielsweise mehrere Webshops untereinander personalisierte Nutzerdaten austauschen und auswerten würden, wäre dies datenschutzwidrig. "Die meisten Anwendungen in denen es um Big Data geht werten jedoch anonymisierte Daten aus und das ist in aller Regel gar kein Datenschutzproblem."

Dominik Helmkamp

Kommentieren und bewerten 

Mit folgendem Formular können Sie den Artikel kommentieren und bewerten. Mit einem * gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.

Ihr Name*
Ihre E-Mail-Adresse*
Bewertung des Artikels*
(1 Stern = schlecht / 6 Sterne = hervorragend)
Sicherheitsabfrage*: Bitte addieren Sie 1 und 1
Ihr Kommentar*

Technik aktuell

Hier geht's zur Übersichtsseite Technik Aktuell