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Fahrradschutz im Winter

So überlebt das Zweirad die kalte Jahreszeit

Alle Fahrradfahrer kennen es: Das Fahrradschloss ist eingefroren, der Schlüssel lässt sich nicht umdrehen und bricht als Folge. Dazu hat der Dynamo Ausfälle und die Bremsen blockieren. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, sein Fahrrad winterfest zu machen. // Von Angela Frings und Deliah Michely

28.1.2014 // Spezielle Winterchecks für Fahrräder gibt es nicht. Jedoch empfiehlt Sven Tombrock, Mitarbeiter für Verkauf und Montage bei Radsport Krüger in Sankt Augustin, einmal im Jahr eine Inspektion durchführen zu lassen. "Mit einer Inspektion kann der Kunde sicher gehen, dass sein Fahrrad fit für den Sommer oder für den Winter ist und dass besonders die Sicherheit gegeben ist."

Licht ist essenziell

Eine funktionierende Lichtanlage ist Pflicht. Im Winter wird es schon früh dunkel. Sobald es anfängt zu dämmern, sollten die Scheinwerfer an sein, um gut zu sehen und gesehen zu werden. Wer bei Dunkelheit ohne Licht mit dem Fahrrad fährt, gefährdet nicht nur seine eigene Sicherheit, sondern auch die der anderen Verkehrsteilnehmer.

Sven Tombrock ist  Mitarbeiter für  Verkauf und Montage bei Radsport Krüger in Sankt Augustin. Er ist seit 1998 in der Branche tätig.  //Bild: Angela Frings

Sven Tombrock ist Mitarbeiter für Verkauf und Montage bei Radsport Krüger in Sankt Augustin. Er ist seit 1998 in der Branche tätig. //Bild: Angela Frings

Mittlerweile sind in vielen Fahrrädern LED-Beleuchtungen eingebaut. "Eine LED-Beleuchtung ist wesentlich heller und kann nicht, wie die Glühlampe, durchbrennen. Die Platine kann schon mal kaputt gehen, aber im Großen und Ganzen sind sie sicherer und länger haltbar als Glühlampen", so Tombrock.

Heutzutage besitzen fast alle Fahrräder sogenannte Nabendynamos. Dieser Dynamo sitzt in der Vorderradnabe. Er wandelt mechanische Energie, die Bewegung der Pedalen, in elektrische Energie um. Damit werden die Scheinwerfer mit Strom versorgt. Anders als bei den alten Seitenläuferdynamos, rutscht der Nabendynamo nicht bei Nässe durch. Der Fahrradfahrer muss außerdem beim Nabendynamo weniger zusätzliche Kraft anwenden, um helleres Licht zu erhalten. Der Wirkungsgrad ist wesentlich größer als bei Seitenläuferdynamos.

Links: Seitenläuferdynamo; Rechts: Nabendynamo //Bild: Angela Frings

Links: Seitenläuferdynamo; Rechts: Nabendynamo //Bild: Angela Frings

Wer noch einen alten Dynamo an seinem Fahrrad besitzt, kann ihn austauschen lassen. "Ob ein Umbau sich lohnt, muss allerdings vor Ort überprüft werden", erklärt Tombrock. Ein kompletter Umbau, bestehend aus einer Erneuerung des Laufrads, dem Einbau des Nabendynamos und der neuen Scheinwerfer, kostet bei Radsport Krüger inklusive Montage um die hundert Euro. Als Laufrad wird das gesamte Vorder- oder Hinterrad bezeichnet.

Elf Reflektoren braucht das Fahrrad

Zusätzlich zur Lichtanlage sind Reflektoren ein wichtiger Bestandteil der Ausrüstung. Fahrradfahrer sollten darauf achten, dass diese immer sauber sind. Zu den wichtigsten Reflektoren gehören: Ein weißer Rückstrahler vorne, zwei gelbe Rückstrahler pro Pedal, pro Rad zwei gelbe Speichenrückstrahler oder weißes reflektierendes Material an den Reifen, Felgen oder Speichen, sowie ein kleiner roter Rückstrahler und ein roter Großflächenrückstrahler hinten. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat zur technischen Ausstattung eines sicheren Fahrrads eine Grafik erstellt.

Bremsen können einfrieren

Neben dem Licht sind funktionierende Bremsen notwendig. Es muss darauf geachtet werden, dass die Bremsbeläge noch genug Profil haben beziehungsweise noch ausreichend dick sind. Im Winter kann es passieren, dass die Bremsen einfrieren. Das kommt daher, dass sich in den Bremshüllen Kondenswasser bilden und dieses über Nacht gefrieren kann. Beim Ziehen der Bremse kann diese dann blockieren, was ziemlich gefährlich ausgehen kann. Hilfreich kann auch das Einölen der Bremsen sein, allerdings nicht an den Bremsbelägen, sondern lediglich an den Handbremsen.

Ketten brauchen Pflege

Eine Kettenschaltung sollte im Winter mindestens einmal die Woche geölt werden, besonders wenn man viel fährt. Ansonsten kann die Kette schnell anfangen zu rosten.

Neben der Kettenschaltung gibt es die sogenannte Nabenschaltung. Diese ist in die Nabe des Hinterrads gebaut und funktioniert, wie die Kettenschaltung, über einen Schaltmechanismus. Das Getriebe ist geschlossen, daher ist es gegen Schmutz und Spritzwasser geschützt. Nabenschaltungen sind robuster, sie müssen nicht so oft gereinigt und geölt werden wie Kettenschaltungen. Dafür sind sie in der Anschaffung teurer. Aus diesem Grund ist in den meisten Fahrrädern eine Kettenschaltung eingebaut.

 Links: Nabenschaltung; Rechts: K Links: Nabenschaltung; Rechts: Kettenschaltung //Bild: Angela Fringsettenschaltung //Bild: Angela Frings

Links: Nabenschaltung; Rechts: Kettenschaltung //Bild: Angela Frings

Mit Winterreifen sicher über Schnee und Eis

Seit einiger Zeit gibt es spezielle Winterreifen für Fahrräder. René Filippek, stellvertretender Pressesprecher des ADFC, rät: "Auf vereisten Flächen sind Reifen mit Spikes zu empfehlen." Spikes sind spezielle Nägel, die in den Reifen hinein gepresst werden, um die Bodenhaftung zu verbessern. "So kann auch auf glattem Untergrund gelenkt und gebremst werden. Das funktioniert auch auf festgefahrenem Schnee." Bei Schnee haften Reifen mit groben Profil besser als Reifen mit leichtem Profil. Filippek empfiehlt ab einer gewissen Höhe des Schnees, nur auf geräumten Straßen zu fahren. Spike-Räder kosten etwa 50 Euro pro Rad. Die Kosten können variieren, je nach Anzahl und Qualität der Spikes.

Links: Normal Profil-Reifen; Mitte: Reifen mit Spikes; Rechts: Feinprofil-Reifen //Bild: Angela Frings

Links: Reifen mit normalem Profil; Mitte: Reifen mit Spikes; Rechts: Feinprofil-Reifen    //Bild: Angela Frings

"Sobald die Straßen wieder trocken sind, sollte man nicht mit den Spikes fahren. Die Spikes können sich stark abnutzen und sogar lösen, da sie nur eingepresst sind", erklärt der Fahrradmonteur Tombrock.

Fahrradfahrer müssen normalerweise die beschilderten Radwege benutzen. Im Winter gibt es jedoch eine Sonderregelung. Sind die Radwege nicht geräumt, darf der Fahrradfahrer auf die geräumte Fahrbahn ausweichen.

Winterreifen sind bis heute nicht vorgeschrieben. Filippek sieht keinen Anlass, dass Winterreifen zukünftig zur Pflicht werden.

Eine Alternative zu Winterreifen

Anstatt Reifen mit Spikes zu kaufen, kann auch der Luftdruck in den Reifen verringert werden. Dabei sollten sich Radfahrer nach dem auf der Reifenflanke angegeben Mindestluftdruck orientieren, um eine Beschädigung des Reifens auszuschließen (siehe Grafik). "So vergrößert sich die Auflagefläche und die Haftung auf dem Untergrund", erklärt der stellvertretende Pressesprecher des ADFC. Außerdem sagt er, dass die Sattelstütze etwas nach unten verschoben werden kann, damit Radfahrer leichter mit den Füßen auf den Boden kommen, wenn das Fahrrad ins Rutschen gerät.

Abdeckungen oder Öl gegen zugefrorene Schlösser

Wie bei der Bremse, kann auch das Schloss durch eingefrorenes Kondenswasser blockieren. "Einige Schlösser haben heutzutage eine Abdeckung, damit kein Wasser in das Schloss läuft. Zudem kann das Schloss zusätzlich geölt werden, damit das Kondenswasser nicht haften kann", sagt Tombrock. Darüber hinaus sollten Fahrradfahrer darauf achten, dass der Schließzylinder nach unten zeigt, so kann Kondenswasser besser abfließen.

Was bringt die Zukunft?

Auf die Frage, was es zukünftig an technischen Neuheiten geben wird, um das Fahrradfahren im Winter sicher zu machen, anwortet Filippeck:

"Die Reifen- und Bremsentechnik wird weitere Fortschritte machen und deshalb auch im Winter die Sicherheit erhöhen. Die große Verbreitung von Pedelecs, von Elektromotoren unterstützte Fahrräder, machen theoretisch auch elektronische Hilfssysteme wie Antiblockiersysteme denkbar - bis das am Fahrrad auftaucht, wird es aber sicher noch dauern."

Interview mit dem Polizeibeamten und Verkehrssicherheitsberater der Polizei NRW, Gerhard Zöller, über das Thema: Sicheres Fahrradfahren im Winter

Angela Frings // Deliah Michely, Technikjournalismus/PR 3. Semester

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Eine Checkliste für ein sicheres Fahrrad:

"Prüf dein Rad!" ist ein Flyer vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR) über Sicherheitsausstattung am Fahrrad, sowie eine Checkliste für das sichere Fahrrad. Der Link führt zum Shop, in dem der Flyer kostenlos heruntergeladen werden kann.

 

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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC)

Internetseite: Radsport Krüger GmbH