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Futuristischer Urlaub

Das Hotelzimmer der Zukunft

Ein schwingendes Bett, Sprach- und Lichtsteuerung oder ein Fenster, das sich in ein Display verwandelt. Was an Gegenstände aus einem Science-Fiction-Film erinnert, kann schon bald zur Realität werden. Das Fraunhofer Institut in Duisburg erforscht im "Future Hotel" neue Techniken für unseren zukünftigen Urlaub. // Von Laura Kuhlen

4.2.2014 // "Einige der Techniken bringt der Gast sogar selbst mit", sagt Vanessa Borkmann, die Projektleiterin des "Future Hotel". Der Besucher checkt mit dem Smartphone ein und mit dem Laptop oder Tablet-PC kann er beispielsweise die Klimaanlage steuern. Bereits im Jahre 2020 sollen viele der Techniken aus dem "Future Hotel"-Projekt in Hotelzimmern eingesetzt werden.

Das "Future Hotel"-Projekt

Ende 2008 startete das "Future Hotel"-Projekt im "Inhaus2" in Duisburg. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation testet dort, mit einigen Partnern aus der Hotelbranche, Techniken, welche dem künftigen Gast den Urlaub noch angenehmer gestalten könnten. Durch das Projekt werden die Innovationen unter möglichst realen Bedingungen getestet, jedoch bleibt das "Future Hotel" vorerst nur ein Projektzimmer im Institut.

Das intelligente Hotelzimmer

Nachdem der Reisende mit dem Handy eingecheckt hat, betritt er das Hotelzimmer der Zukunft. Das Licht leuchtet von alleine auf, gesteuert durch Drucksensoren im Fußboden. Zusätzlich kann die Farbe der Beleuchtung individuell gestaltet werden. Je nach Befinden des Gastes kann der Raum in Grün, Rot oder Blau erstrahlen. Die Lichtanlage des Zimmers besteht aus 1.000 LED-Lampen, welche in der Deckenverkleidung versteckt sind. Gesteuert wird die Farbstimmung über eine Fernbedienung oder mit der eigenen Stimme. Die Sprachsteuerung ist die große Attraktion des Projektes. "Es funktioniert ähnlich wie ein Navigationssystem im Auto. Sobald der Gast den Raum betritt, wird sie aktiviert und bleibt die ganze Zeit über eingeschaltet", sagt Borkmann. Ein Computersystem verwaltet alle Befehle, die dort eingehen. Mit der Sprachsteuerung kann nicht nur die Beleuchtung des Raumes gesteuert werden, es können auch Informationen erfragt oder Wünsche an die Rezeption übermittelt werden.

Im "Future Hotel" ist alles rund, bis hin zur großen Fensterfront, das soll die Zufriedenheit des Gastes steigern. Das Fenster besteht aus elektrochromen Glas, welches sich innerhalb von Sekunden von transparent in milchig wandeln kann. Die Fensterscheibe kann sogar als Display genutzt werden, um Konferenzen über das Internet abzuhalten oder Filme zu schauen. Für die weitere Erholung des Gastes sorgt das "Energy Bed". Ein motorbetriebenes Bett, welches den Besucher langsam in den Schlaf wiegt. Die pendelnde Bewegung dient ebenfalls der Entspannung.

Auch das Badezimmer ist zukunftsweisend. Infrarotstrahler in der Wand verwandeln das Badezimmer in eine Sauna und ein Duftspender verbreitet einen angenehmen Geruch. Anhand der Farbe des Wassers erkennt der Gast die Temperatur.

Wien, Amsterdam und Krems

Ein ähnliches Projekt des Fraunhofer-Instituts eröffnet Ende 2014 in Wien. Im Hotel Schani, am Wiener Hauptbahnhof, werden innovative Techniken in einem laufendem Betrieb getestet. Durch die gegebenen realen Bedingungen können die Technologien noch effizienter erprobt werden.

In Amsterdam baute die Hotelgruppe NH Hoteles bereits 2008, gemeinsam mit dem dort ansässigen Elektronikunternehmen Philips ein Hotelzimmer der Zukunft. Im "NH Ambient Experience-Zimmer" des 5-Sterne-Hotels Barbizon Palace konzentrierten sich die Planer auf ein modernes Beleuchtungssystem. Wie auch im "Future Hotel" in Duisburg können die Gäste die Lichtfarbe ihrer Stimmung anpassen.

Ebenfalls 2008 eröffnete das "Future HotelroomLab" im österreichischen Krems. Ähnlich dem "Future Hotel" ist das Hotelzimmer jedoch nur ein Forschungsprojekt. Der Schwerpunkt der Forschung liegt auch hier, wie im niederländischem "NH Ambient Experience", auf einem innovativen Lichtsystem. Auch ein modernes Einchecksystem mit dem Handy oder der Fernseher als Bedienungsinstrument für verschiedene Geräte werden dort getestet.

Wenig nachhaltige Trends

Viele der Techniken des "Future Hotels" sind innovativ und zukunftsweisend, dennoch wird dort keine ökologische Technologie getestet. "Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, auch für die Hotelbranche. Der Ho­te­li­er kann durch energiefreundliche Techniken Geld sparen. Das Interesse beim Gast ist jedoch noch gering", erklärt Vanessa Borkmann. Der Hotelverband Deutschland (IHA) bestätigt dies. In seinem Jahrbuch des Jahres 2013 veröffentlichte der IHA dazu einige Erkenntnisse. Zwar wachse die Bereitschaft zu umweltbewusstem Reisen in Deutschland, die Akzeptanz einer Kostensteigerung reiche allerdings nur bis zu 10 Prozent. Das Thema Nachhaltigkeit rangiere demnach noch weit hinter Komponenten wie Wetter, Klima, Verkehrsanbindungen, Kultur, Landschaft oder Essen. Zwar listet der IHA Nachhaltigkeit als einen Megatrend auf, doch beschränkt sich diese Entwicklung vor allem auf die CO²-Reduzierung.

Techniken für Geschäftsreisende

Das "Future Hotel" verfügt auch über einen Arbeitsplatz mit Schreibtisch und Display. Einige der Techniken machen das Hotelzimmer der Zukunft besonders für Geschäftsreisende interessant. "Der Geschäftsreisende ist viel im Hotel und nutzt die Techniken stärker. Es sind jedoch generelle Techniken, die für jeden interessant sind", sagt Borkmann. Für Touristen seien einige der Techniken auch nützlich, wie die Sprachsteuerung, welche den Kontakt zum Hotelpersonal herstellt und auch für die Übersetzung von Sprachen benutzt werden kann. Für den Feriengast gibt es allerdings sehenswertere Umgebungen als das eigene Hotelzimmer, wenn er im Urlaub in einem fremden Land ist.

Wenn der Urlaub krank macht

Ein technisch voll ausgestattetes Hotelzimmer bringt hingegen nicht nur Annehmlichkeiten mit sich. Dr. Joachim Mutter, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, weist auf gesundheitsschädliche Risikien hin. "Schon niedrige Frequenzen eines elektromagnetischen Feldes können gesundheitsschädlich sein und Krankheiten wie Kopfweh, Schlafstörungen, Depressionen oder Herzrhythmusstörungen hervorrufen", sagt Dr. Mutter, der eine Praxis für Umwelt- und Integrative Medizin in Konstanz führt. Weil die Mikrofone des Sprachsystems die ganze Nacht aktiv sind, könne der Schlaf des Gastes selbst im "Energy Bed" gestört werden. Um die von Dr. Mutter beschriebenen Krankheiten auszulösen, genügt schon weniger als Sprachsteuerungen oder Bodensensoren. Der auf Quecksilberbelastung und Elektromagnetische Sensibilität spezialisierte Arzt erklärt, dass bereits WLAN- und Mobilfunkstrahlungen des Handys schädlich seien und somit nicht nur die futuristischen Neuerungen des Hotelzimmers der Zukunft zu Belastungen führen können.

Laura Kuhlen

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