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E-Bikes im Rheinland

Neue Ladestation für Elektrofahrräder

Eine unbeschwerte Radtour durchs Grüne mit Antrieb: Der Trend zum elektrischen Fahrrad wird auch im Rhein-Sieg-Kreis immer beliebter. E-Bikes bieten für jedes Alter eine umweltschonende Alternative zum Auto. Aber was ist, wenn unterwegs der Akku leer wird? Voraussetzung für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft ist eine gute Ladeinfrastruktur. // Von Sarah Dobrowolski

27.6.2014// An verschiedenen Standorten stellt die Stadt Siegburg Ladestationen mit kostenlosem Ökostrom zur Verfügung. Ende Mai 2014 wurde die fünfte E-Bike-Tankstelle in Siegburg eingeweiht. Laut einer Studie des Auto Clubs Europa (ACE) waren im Sommer 2013 bereits rund 1,3 Millionen Elektrofahrräder auf Deutschlands Straßen unterwegs. Besonders in Ferienregionen wie dem Schwarzwald sind Ladestationen bereits flächendeckend im Stadtbild integriert. Im Gegensatz zum Rhein-Sieg-Kreis sorgen dort mehr als 170 Ladesäulen für eine lückenlose Stromversorgung.

Grundvoraussetzung ist ein flächendeckendes Ladenetzwerk

Wer im Rheinland mit dem E-Bike unterwegs ist, muss seine Strecke vorab gut planen. Durchschnittliche Akkus sind auf eine Reichweite von 40 bis 60 Kilometer begrenzt. Deshalb ist eine ausreichende Energieversorgung die Grundlage für den Umstieg auf das Elektrofahrrad. Auch die Stadt Siegburg verspricht sich durch die neue Ladestation eine deutlich höhere Akzeptanz. Elisabeth Hertel, städtische Radverkehrsbeauftragte, steht dem Projekt zuversichtlich gegenüber: "Die neue E-Bike-Tankstelle ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kreissparkasse Köln und des regionalen Energieversorgers rhenag. Unser Ziel ist die Etablierung des E-Bikes und damit ein weiterer Schritt in Richtung klimaschonende Mobilität."

Ein flächendeckendes Netz an Ladesäulen ermöglicht dem Nutzer eine hürdenfreie Radtour. Neben der Möglichkeit, den Akku während der Arbeitszeit oder eines Einkaufs aufladen zu können, bieten die Stationen in Siegburg auch sichere Stellplätze für das E-Bike. Die Ladekabel sind in ein Schloss integriert. Derzeit sind 38 Ladestationen im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn für E-Bike-Fahrer frei zugänglich.

Einige E-Bike-Ladestationen im Rhein-Sieg-Kreis   Bild: rhein-sieg-kreis // Grafik: Von Sarah Dobrowolski

Ladeinfrastruktur bedarf Standardisierung

Doch die rheinischen E-Tankstellen bringen auch diverse Herausforderungen mit sich. Eine einheitliche Ladetechnik für elektrisch unterstütze Fahrräder konnte sich in Nordrhein-Westfalen bisher noch nicht durchsetzen, da sich Anbieter wie RWE oder rhenag auf keinen gemeinsamen Standard einigen. Unterschiedliche Steckerverbindungen sowie systemspezifische Ladeelektronik verhindern bisher ein anbieterübergreifendes Laden. Das ist laut Gereon Broil, Abteilungsleiter Technik und Verbraucherschutz im ADFC-Bundesvorstand, nicht der einzige Nachteil: "Steckdosen sind unterwegs zwar meistens zu finden, doch zum Aufladen muss jeder Fahrer sein eigenes Ladegerät dabei haben. Das ist sehr umständlich. Manche Akkus lassen sich wiederum nur am Rad eingebaut laden."

Des Weiteren liegt die Herausforderung in der unterschiedlichen Infrastruktur. Ob in der Tiefgarage oder an touristisch genutzten Strecken, Ladestationen können sich an jedem Ort befinden. "Jede denkbare Situation erfordert verschiedene technische und rechtliche Rahmenbedingungen", sagt Broil. Vorab müssen Grundstücksrechte sowie die Zuständigkeit der Stromlieferung und Zahlung vertraglich vereinbart werden.

Österreich als Vorreiter für universelle Ladestationen

Während sich das Netzwerk an Ladesäulen in NRW etabliert, ist die Stadt Hallein in Österreich schon einen Schritt weiter. Anders als im Rhein-Sieg-Kreis sind E-Bikes dort fest in den Alltag integriert. Bereits 2013 wurde vom österreichischen Unternehmen bike-energy ein Ladesystem entwickelt, mit dem es möglich ist, elektrische Fahrräder jeglicher Art aufzuladen. Für Nutzer ist dies eine erhebliche Erleichterung; Ladegerät und Kabel können zuhause bleiben.

Laut Rupert Stranger, mitverantwortlich für das Ladesystem, können 80 Prozent aller Räder über Adapter mit Strom versorgt werden. "Sollte sich das System auch in Deutschland flächendeckend durchsetzen, wäre das ein sinnvoller Schritt zur Verbesserung der E-Bike-Infrastruktur", so Stranger.

Aufbau einer E-Bike-Ladestation in Siegburg. // Von Sarah Dobrowolski

Mobilität der Zukunft: Die Politik verfolgt eine klare Strategie

Zu den großen Zielen der Bundesregierung gehört die Weiterentwicklung der Infrastruktur für E-Bikes und Pedelecs: Das schreibt der Nationale Radverkehrsplan 2020 vor. Dafür müsse eine generelle Bewusstseinsförderung für umweltschonende Verkehrsmittel entstehen. "Dies könnte mit Werbekampagnen oder einem standardisierten Ladenetzwerk erzielt werden. Die Generation, die noch zu sehr am Auto hängt, ist schwer erreichbar", sagt Hertel. Anschaffungsgebühren und ein flächendeckendes Ladenetzwerk sind nicht die einzigen Kriterien zur Umsetzung des Ziels. Laut Broil müsse sich auch die Politik für Elektrofahrräder einsetzen: "Viele Politiker reden von E-Mobilität, meinen damit aber E-Autos. Dabei könnten mit einem E-Bike tatsächlich signifikante CO2-Einsparungen erzielt und Verkehrsprobleme vermieden werden."

Sarah Dobrowolski, Technikjournalismus/PR, 4. Semester

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Zahlen und Fakten

Grafische Darstellung der E-Bike-Verkäufe in Deutschland pro Jahr. Quelle: VSF  // Von Sarah Dobrowolski

 

Nachgefragt:

Wieso Kunden E-Bike fahren

Philipp Schwanbeck, Technikjournalist: "Mit dem Bike geht es einfach schneller und ich bin vom Öffentlichen Personennahverkehr unabhängiger: Es ersetzt auf vielen Strecken das Auto. Auf Ladestationen greife ich bisher nicht zurück. 40 Kilometer Reichweite reichen mir meist aus, es sei denn ich mache lange Touren."

Andrea Schmitz, Bankkauffrau: "Ich fahre sämtliche Kurzstrecken mit dem E-Bike, seitdem ist Stau für mich ein Fremdwort geworden. Zwar ist die Anschaffung etwas teuer, aber auf lange Sicht hat es sich gelohnt. Zudem sind die öffentlichen Ladestationen sehr praktisch, bei langen Strecken lade ich unterwegs einfach nochmal nach."

Joachim Beinecke, Lehrer: "Ich benutze mein E-Bike als Dienstfahrzeug. Ein zuschaltbarer Elektromotor ist besonders beim bergauf Fahren praktisch. Es ist eine willkommene Unterstützung für alle, die nicht verschwitzt auf der Arbeit ankommen wollen. Und während des Unterrichts kann ich den Akku wieder aufladen."

 

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