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Praxissemester in... Daegu/Südkorea

Wenn Europa auf Asien trifft

Meinen ersten Kulturschock hatte ich bereits im Flugzeug, in dem fast ausschließlich Koreaner saßen, die mich anstarrten. Und auch bei der Ankunft in Seoul, wurde ich mit unterschiedlichen Reaktionen begrüßt. Kinder lachten mich an und begrüßten mich mit "Hello how are you", wohin gegen ältere Koreaner verwundert schauten. // Von Luisa Schimainski

18.9.2012 // Südkorea ist unglaublich warm zu dieser Jahreszeit. Aber die Mädchen hier sind trotzdem sehr bedeckt angezogen. Zumindest am Oberkörper, denn Koreaner sind der Meinung, dass kurze Hosen ein "must have" sind, wohingegen der Oberkörper stets mit Kleidung verhüllt sein sollte. Alles andere gilt hier als billig, woraufhin ich meine schulterfreien Teile in den Kleiderschrank verbannen musste.

Vom "Incheon International Airport" in Seoul aus habe ich den Bus nach Daegu genommen, welche die drittgrößte Stadt in Südkorea ist und mit 2,5 Millionen Einwohnern als klein gilt. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat eine Partnerschaft mit der Kyungpook National University (KNU), an der ich nun ein Semester lang studieren darf. Verglichen mit meiner Hochschule, ist der Campus der KNU wie eine kleine Stadt. Man findet alles auf dem Campus, welcher praktischerweise auch sehr zentral in Daegu liegt. Geschäfte, mehrere Mensas, Cafés, Friseur, Bäckereien... ja Bäckereien! Die Koreaner essen durchaus Brot zum Frühstück, wobei es dann trotzdem noch Reis dazu gibt.

Wer zu spät nach Hause kommt, kriegt Strafpunkte

Auf dem Campus lebe ich im Studentenwohnheim. Die Regeln hier sind etwas amüsierend, da Mädchen und Jungs hier getrennt voneinander wohnen, und die Wohnheime des anderen Geschlechts auf keinen Fall betreten dürfen. Die Konsequenz ist Rausschmiss. Auch muss man bis 1 Uhr nachts zuhause sein, sonst gibt es Strafpunkte. Gottseidank wird bei den Austauschstudenten ein Auge zugedrückt, wenn es um Strafpunkte geht.

Jeder Austauschstudent bekommt einen koreanischen Study Buddy, der einem die Zeit über behilflich ist. Das ist wirklich nötig, da hier wenige Leute Englisch können und das meiste auch nur in Koreanisch geschrieben ist. Ein paar Tage vor Semesterbeginn wurde eine große "Welcome Party" für uns veranstaltet, zu der wir, mit unseren Study Buddys, eingeladen waren. So einen herzlichen Empfang hatte ich wirklich nicht erwartet. Der Präsident der Universität bedankte sich mehrmals bei uns, dass wir uns für Südkorea entschieden haben, und Mitarbeiter des International Offices gaben uns einige Instruktionen.

Kurse zu koreanischer Sprache und Kultur

Dieses Semester sind genau 100 Austauschstudenten aus der ganzen Welt hier. Kanada, Japan, USA, Deutschland, Mexico, China, Russland, England und viele mehr. Und da wir vorher schon eine Facebook-Gruppe gegründet hatten, kannten wir uns untereinander teils bereits, was den Start hier um einiges erleichtert hat.

Ein paar Tage nach der Willkommens-Party gingen auch schon die Kurse los. Da ich Technikjournalismus und PR studiere, und dieser Studiengang speziell ist, habe ich die Möglichkeit fast alle Kurse zu wählen. Natürlich habe ich, neben drei anderen Kursen, koreanische Sprache und Kultur in Korea gewählt, damit ich die nächsten Monate vielleicht auch mal ohne die Hilfe meiner koreanischen Freunde etwas im Restaurant bestellen kann.

Der Tintenfisch windet sich auf dem Teller

Dass die Koreaner viel lernen, ist bekannt und wahr, wie ich feststellen musste. Die meiste Zeit wird in der Universität verbracht. Die internationalen Studenten dagegen verbringen ihre Freizeit eher mit Party und Reisen. Direkt in der ersten Woche sind wir, nach diversen Willkommens-Partys, nach Busan gefahren, die zweitgrößte Stadt in Korea. Busan ist berühmt für seine Fischmärkte und die wunderschönen Strände.

Als wir einen Fischmarkt besuchten und dort essen wollten, hatte ich meinen nächsten Kulturschock. Mir wurden rohe Tintenfisch-Tentakel vor die Nase gesetzt, die sich noch bewegten. Während ich mich ekelte, genoss meine koreanische Freundin die Tentakel und hielt mir diese vors Gesicht. Ob ich mich überwinden konnte und das Tierchen runtergeschluckt habe? Leider nein! Da war wohl meine Toleranz- und Geschmacksgrenze erreicht.

In Korea ist wirklich alles anders als in Deutschland. Meine ersten Eindrücke kann ich am Besten in Pro und Kontra aufteilen:

Freundliche Koreaner, gesundes Essen

Wirklich toll ist, wie freundlich die Koreaner zu uns sind. Wenn wir Hilfe brauchen, können wir uns stets auf diese verlassen. Ich bin erst seit ein paar Wochen hier und habe mittlerweile schon so viele gute Freunde gewonnen. Der kulturelle Austausch zwischen den internationalen Studenten ist zudem sehr faszinierend. Wir sprechen alle verschiedene Sprachen und kommen aus anderen Ländern, und trotzdem sind wir schon wie eine kleine Familie zusammengewachsen.

Das Essen ist eine Herausforderung, da ich eigentlich keinen Fisch mag. Aber nach den paar Wochen muss ich sagen, dass das meiste hier sehr lecker und vor allem gesund ist. Zudem wird hier viel Hähnchen und Schwein gegessen. Auch der Respekt gegenüber Älteren empfinde ich als sehr positiv. Beispielsweise nennt mich ein jüngerer Koreaner immer "Noona", was große Schwester bedeutet.

Oberflächliches Frauenbild

Ich war verwundert dass so wenig Koreaner Englisch sprechen. Auch schockiert mich die Oberflächlichkeit der Koreaner, was sich besonders bei Beziehungen zwischen Mann und Frau bemerkbar macht. Nachdem Motto: "Sie muss hübsch sein und dafür bezahlt er alles". In Korea scheint momentan noch kein Platz für Individualisten zu sein. Allerdings bin ich sicher, dass sich dies langsam ändern wird. Viele Koreaner gehen ins Ausland, um dort zu studieren und erweitern somit ihren Horizont. Korea ist noch nicht international, da Ausländer hier immer noch eine Seltenheit sind. Dennoch... der Wille ist definitiv vorhanden.

Flashmob Gangnamstyle

Zum Schluss möchte ich gerne noch ein berühmtes Lied erwähnen, welches seinen Weg anscheinend sogar schon nach Deutschland gefunden hat. Es handelt sich um PSYs Song "Oppa Gangnamstyle". Dieses Lied ist so berühmt und beliebt in Korea, dass sich viele Studenten von der KNU zusammen getan haben und einen Flashmob organisieren wollen. Das bedeutet, dass wir jeden Tag die Choreographie dafür üben müssen. Wer sagte, dass die Koreaner nicht wissen, wie man Spaß haben kann?!

Annyeong hi gase yo

안녕히 가세요

Bye,

Luisa Schimainski

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